Greifswald, 02.-03. Mai 2008
Die Dissertation Byz. Schmuck des 9. –13. Jhs. (Uni Bonn 2007) untersucht auf der Basis von 167 datierten Schmuckstücken sowie vieler Vergleichsstücke Materialien und Technik, Typologie, Träger/innen, Funktion, Trageweise, Ikonographie, Ornamentik und Stil. Jedoch ist die Materialbasis lückenhaft: Aus dem 9. Jh. sind kaum Objekte überliefert, aus dem 10. Jh. haben sich dagegen drei Schatzfunde (Preslav, Thessaloniki, Kreta) erhalten. Etliche Ringe lassen sich durch ihre Inschriften v.a. in das 10./11. Jh. datieren, der Schatzfund aus Thessaloniki stammt erst wieder aus dem 12./13. Jh. Wichtigster Hortfund ist der Preslav-Schatz aus Bulgarien, wohl ein Hochzeitsgeschenk des byz. Kaisers an den Zaren. Den Objekten lässt sich weiterer Schmuck zugesellen, gewiss aus derselben, nicht lokalisierbaren Hofwerkstatt in Konstantinopel (Emailarmreifpaar, Thessaloniki; Ohrringpaar, zwei Ringe, Washington; bemaltes Glasgefäß, Venedig, mit silbervergoldeten Henkeln). Für Emailohrringe aus Kreta kann wie beim Preslav-Schatz vermutet werden, dass es sich um diplomatische Geschenke handelte. Damit ergibt sich eine Basis für die Beurteilung byz. Schmucks im Umfeld des Kaiserhofes in der 1. H. d. 10. Jhs. Dagegen ist der Schatzfund von Thessaloniki (zwei Armreifpaare, 14 Ringe) aufgrund von Vergleichsstücken v.a. aus dem Westen wohl einem Mitglied der fränkischen Besatzung von Thessaloniki zuzuordnen (Vergrabung spätestens Mitte 13. Jh., 1246?). Die Materialbasis wird weiterhin durch Grab- bzw. Einzelfunde und umdatierte Funde (z.B. Gräberfeld von Tegani) ergänzt, während etliche Fälschungen ausgeschlossen wurden (z.B. „Tzimiskes“-Ohrringe, Berlin). Untersucht wurden auch schriftlichen Quellen, die jedoch kaum aussagekräftig sind, dagegen geben 32 bildliche Quellen Hinweise auf Trägerschaft und Funktion, lassen sich aber kaum mit Realien in Einklang bringen (Ausnahme: Stifterin Anna Radene, Hg. Anargyroi, Kastoria).
Die Ikonographie des mittelbyz. Schmucks ist zunächst v.a. floral, dann aber auch abstrakt-geometrisch. Szenische Darstellungen gibt es kaum, figürliche Darstellungen sind auch eher selten (Christus, Maria, Heilige; Tiere/Fabelwesen wie Hund, Pfau, Adler, Greif, Senmurv). Völlig fehlen die in frühbyz. Zeit verwendeten Symbole wie Chirogramm, Anker, Fische. Wichtigster Unterschied zwischen früh- und mittelbyz. Schmuck ist die fehlende Durchbruchtechnik opus interrasile. Aufgegeben werden auch bestimmte Formen, z.B. die im 6./7. Jh. gängige Ringform mit dünner runder Schiene und runder, ovaler oder eckiger Platte.
Mit dem Promotionsprojekt (IEMAN, Universität Paderborn) „Aufarbeitung der Altgrabungen Abdinghof“ und den seit 2005 bis heute durchgeführten Ausgrabungen der Stadtarchäologie Paderborn im Klosterbereich der ehemaligen Benediktinerabtei in Paderborn sollte eine Klärung der bereits zu Bernhard Ortmanns (Ausgrabungen 1949–1964, Publikationen 1958 und 1968) Zeiten sehr kritisch gesehenen Interpretationen seiner Kirchenbauphasen herbeigeführt werden. Nach der Sichtung des umfangreichen Fotomaterials – Zeichnungen, Pläne und Grabungsdokumentationen sowie verschwindend geringe datierende Funde liegen nicht vor – und unter Verwendung des teilweise unberücksichtigen Archivmaterials wurde schnell deutlich, dass B. Ortmann damals Mauern und Schichten falsch, d.h. v.a. nach seiner vorgefassten Bauinterpretation zuordnete. Da das Fotomaterial aber Kalkbruchsteinmauern, allerdings ohne in einem Messnetz eingeordnet zu sein, verschiedener Verläufe und Ausrichtung bezeugt, konnten erst die Grabungen der letzten Jahre neue Einsichten bringen. Von den in den Geschichtswerken erwähnten Kapellenanbauten an der Ostkrypta fand sich der nördliche im Bodenbefund wieder – und erklärt somit einen Gewölbeansatz an der nördlichen Außenwand der Krypta, einen Befund, den Ortmann als Rest der Ringkrypta ansah. Parallel zur nördlichen Kirchenwand wurde eine 2 m breite Bruchsteinmauer von (punktuell) mind. 3 m Tiefe (Straßenerneuerung 2005/06) freigelegt, ein Befund, der evtl. mit Ortmanns rudimentär ergrabenen Mauerzügen im Westbereich in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Untersuchungen der Vorplatzgrabung 2007 um die große Westapsis des sog. Meinwerkbaus freizulegen, ergaben durch eine flächige Abgrabung auf bis zu 3 m Tiefe den entscheidenden Hinweis: Die von Ortmann als „mittelalterlich“ datierten Schichten gehören der Barockzeit bzw. der Neuzeit an. Somit lassen sich viele als „mittelalterlich“ zugeordneten Mauern, v.a. bei der Datierung als Atrium im westlichen Vorplatzbereich, als neuzeitlich, sogar erst dem 19. Jh. zugehörig (Kasernenbauten), ansprechen. Die anstehende Straßengrabung 2008 (Fortsetzung) lässt damit bei einer Grabungstiefe von 0,6 m nur Funde der Neuzeit, wenn gar nur Aufschüttungen der Nachkriegszeit, erwarten. Durch die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes, bei der die nachweisbaren Vorgängerbauten bzw. Bauphasen im Pflaster markiert werden sollen, ergibt sich noch einmal auf einer kleinen Fläche die Möglichkeit, den Anschluss der beiden Apsiden an einen Vorgänger- bzw. den bestehenden Westbau des 11. Jhs. zu dokumentieren.
Die Wandmalereien der Klosterkirche von Müstair, Graubünden, sind zuletzt vom Verfasser in einer monographischen Übersicht vorgestellt (Das Bildprogramm der Klosterkirche im historischen Kontext. In: J. Goll/M. Exner/S. Hirsch, Müstair, [Zürich 2007] 83–113). Dabei konnte nicht vertieft werden, dass eine Abhängigkeiten von Byzanz erkennbar sind. Einige sind jetzt mit einem Erklärungsversuch verknüpft, der zumindest einen der zweifellos komplexen Wege der Vermittlung illustrieren kann.
Die Längswände der Klosterkirche zeigen in fünf Bildzonen von oben nach unten Szenen der Davidsgeschichte, der Jugendgeschichte, dem Wirken und der Passion Christi; die unterste, fast völlig zerstörte Zone enthielt offenbar Heiligenmartyrien. An der östlichen Stirnwand, oberhalb der Apsiden, befand sich eine Himmelfahrt Christi (Zürich, Schweizerisches Landesmuseum). Ihr stand an der Westwand eine monumentale Komposition des Jüngsten Gerichts gegenüber, in der wesentliche Elemente der abendländischen Weltgerichts-Ikonographie erstmals überliefert sind. Die Apsiden zeigen in der Wölbungszone neben der zentralen Maiestas Domini die traditio legis, rechts im Bild, und eine crux gemmata, im unteren Bereich Viten der Altarpatrone, teilweise von romanischen Malereien gleichen Inhalts überdeckt.
Die Quellen des rund 100 Szenen umfassenden Bilderzyklus sind noch nicht aufgearbeitet. Es gibt jedoch eine Reihe von ikonographischen Besonderheiten, die aus karolingischem Kontext nicht zu erklären und demnach wohl auf andere Wurzeln und Querverbindungen zurückzuführen sind.
Auffälligkeiten mit mittelbyzantinischen Analogien gibt es schon in der Szenenauswahl von Müstair, da im Leben Jesu-Zyklus zwar die Bitte des Jairus dargestellt, das heilsgeschichtlich wichtigere Ereignis der anschließenden Erweckung der Jairustochter aber ausgespart wird. In ähnlicher Weise begegnet dies auch im parisinus grecus 510. Noch enger führt ein älteres, wenn auch nur indirekt überkommenes Zeugnis heran: Es handelt sich um die Überlieferung griechischer Beischriften zu solch einem verkürzten Bild, die noch vor der Mitte des 9. Jhs. in Oberitalien aufgezeichnet worden sein müssen. Dass in der Illustration jenes griechischen Bilderzyklus, den zwei irische Geistliche auf dem Weg von Rom nach St. Gallen exzerpiert haben, nur die blutflüssige Frau und Jairus als solche bezeichnet waren, dürfte ein starker Hinweis darauf sein, dass die Vorlage mehr oder weniger der Komposition des Müstairer Wandbilds entsprochen haben wird.
Mittelbyzantinische oder ottonische Parallelen besitzt auch die Vita Johannes des Täufers in der Mittelapsis. Da auch die Aussendung der Jünger ihre isolierte Parallele in einem der mittelbyzantinischen Tetraevangeliare findet, scheint man für das gesamte zweite Register die Kenntnis einer östlich geprägten Bildquelle voraussetzen zu müssen.
Die Frage, wie ein solcher Transfer ausgesehen haben könnte, in welche Bereiche seine Wurzeln zurückreichen und in welchem Kontext die zum Teil noch spätantike Vorstellungen spiegelnden Bilderfindungen tradiert wurden, eröffnet ein weites Feld. Die Rolle der irischen Mönche, die in Oberitalien die Beischriften jenes bilderreichen christologischen Zyklus aus einer griechischen Handschrift kopierten und nach St. Gallen brachten, von dem im Kontext der Jairus-Bitte die Rede war, verweist auf potentielle Wege des Transfers. Die St. Galler Handschrift ist eine von drei Bilinguen, die „als Werk und Vermächtnis irischer Schreiber in der Frühzeit des Abtes Grimald in den Besitz des Gallusklosters gelangten“ (F. Mütherich, Studies in Carolingian Manuscript Illumination, Londen 2004, S. 524–539).
Was mangels Quellen meist auf der Ebene des Motiv-Vergleichs verhandelt werden muss, gewinnt durch die St. Galler Handschrift eine historische Konkretheit, deren Aussagekraft für die Transfer-Forschung noch immer zu wenig genutzt zu werden scheint. Eine eingehende historische Verortung dieses verlorenen Bilderzyklus in der Geschichte der Evangelienillustration gehört noch immer zu den Forschungsdesideraten der Byzantinischen Kunstgeschichte.
Unter Leitung von PD Dr. Winfried Held (Univ. Würzburg) wird seit 2006 im Gebiet des antiken Bybassos auf der karischen Chersones (SW-Türkei) ein Flächensurvey durchgeführt, der vornehmlich der hellenistischen Siedlungsphase gilt. Für die nachantiken Befunde, die im 4./5. Jh. nach einem Hiatus in römischer Zeit einsetzen und bis ins Spätmittelalter reichen, wurde 2007 der Erlanger Lehrstuhl für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte beigezogen. Untersucht wurden Objekte auf dem Hisartepe in Bybassos (Zitadelle mit Bad und/oder Zisterne, evtl. spätbyzantinisch, vielleicht aber auch älter), eine kreisrunde, wohl profanen Zwecken dienende Mauerstruktur aus frühbzyantinischer Zeit (?) auf der hellenistischen Tempelterrasse am Fuß des Oyuklu Tepe, der byzantinische Hafen in Bybassos sowie die Kirchen von Orhaniye, Değirmenyanı und auf dem Ördekbakacak Tepesi. Bei der Kirche im Yachthafen von Orhaniye handelt es sich um eine dreischiffige Basilika mit monoapsidialem Ostabschluss und zweigeschossigen Flankenräumen in der Verlängerung der Seitenschiffe; im Westen waren dem Langhaus ein ebenfalls zweigeschossiger Narthex sowie ein Hof vorgelagert, die jedoch erst einer zweiten bzw. drittten Bauphase entstammen. Bauplastische Fragmente aus frühbyzantinischer Zeit geben einen Datierungsanhaltspunkt, der auf den Gründungsbau zu beziehen ist; wie die beiden jüngeren Phasen zu datieren sind, bleibt weiteren Forschungen überlassen. Die Kirche auf dem Ördekbakacak Tepesi kann anhand der obertägig sichtbaren Reste als annähernd quadratischer Bau mit Dreiapsidenschluss und kreisrundem Anbau an der Südwand rekonstruiert werden, die Kirche von Değirmenyanı als monoapsidiale Basilika mit drei Schiffen. Eine chronologische Einordnung dieser Bauten wird durch einen Vergleich mit den in jüngerer Zeit vor allem von Vincenzo Ruggieri und Alexander Zäh aufgenommenen Kirchen in den angrenzenden Regionen vorzunehmen sein, wobei bei dieser Gelegenheit auch eine kritische Würdigung des Surveys als archäologisches Arbeitsinstrument erfolgen soll.
Christlichen Heiligen kamen in frühbyzantinischer Zeit verschiedene Aufgaben zu. Sie kanalisierten den Fortbestand vorchristlicher magischer Praktiken durch Absorption in den eigenen Kult, Einzelpersonen versprachen sich von ihnen Hilfe bei alltäglichen Problemen, Gemeinwesen erwarteten von ihnen Schutz, Prestige und wirtschaftlichen Gewinn.
Kristallisationspunkte für diese Erwartungen waren Kirchen und Memorialbauten, die über den Gräbern oder Wirkungsstätten von Heiligen erbaut wurden oder aber deren Reliquien enthielten.
In Kilikien lag mit dem Bautenkomplex über der Höhle der heiligen Thekla bei Seleukeia/Silifke eine berühmte Wallfahrtsstätte frühbyzantinischer Zeit. Andere in dieser Epoche in Kilikien verehrte Heilige lassen sich aus schriftlichen Quellen zusammenstellen. Trotz der sehr lückenhaften Überlieferung legt die Zusammenschau den Schluß nahe, daß in der Region neben universellen Heiligen wie Maria oder den Aposteln solche lokaler Herkunft überwogen. Davon erlangten nur einige wenige wie Thekla überregionale Bedeutung.
Nur für wenige Orte lassen sich überlieferte Heiligennamen mit realer Architektur verbinden. Doch ist es in einigen Fällen auch ohne schriftliche Überlieferung möglich, auf Grund archäologischer Beobachtungen Stätten der Verehrung von Heiligengräbern oder -reliquien zu identifizieren, auch wenn die Heiligen für uns anonym bleiben.
In der Westapsis der Kirche auf der Agora von Elaioussa wurden wahrscheinlich Reliquien verwahrt, in deren Nähe ad sanctos bestattet wurde. Gräber in der Nordnekropole von Diokaisareia und in einer Grabkammer der Nekropole von Korykos wurden offensichtlich als Heiligengräber identifiziert, isoliert und mit einer Kirche verbunden. In beiden Fällen wurden mit großem Aufwand Felsmassen weggearbeitet, um die Verbindung von Kirche und Grab zu ermöglichen. Die Grabkammer in Korykos wurde mit Wandmosaiken, flacher Kuppel und einem Brunnenbecken nobilitierend ausgestattet.
Im Anschluss an den 4. Internat. Kongreß für Koptologie 1988 in Louvain-la-Neuve formierte sich auf Initiative von Herrn Dr. Gawdat Gabra, damals Direktor, das Projekt Catalogue général copte, dessen Teilbereich Koptische Textilien mir übertragen wurde. Die Textilforschung hat sich seither quantitativ (Kataloge) und qualitativ (Methoden, Bereiche) entscheidend weiterentwickelt; ihre Ergebnisse konnten bis Ende 2007 berücksichtigt werden. Inzwischen ist das Manuskript abgeschlossen. Im Museum erfolgte 2005/06 eine Neuaufstellung der Objekte mit teilweise neuen Legenden. Leider sind die meisten Stoffe nicht restauriert, aber oft modern fixiert, was die Bearbeitung erschwert.
Aus dem reichhaltigen Bestand werden weder die üblichen Gewänder (Tuniken samt Fragmenten) noch die inzwischen vielseitigen Ausstattungstextilien (Vorhänge, Tücher, Behänge) vorgestellt, sondern einige Varia, die zum Teil zeitlich und funktional über den Rahmen der „Koptischen Stoffe“ hinausgreifen.
Zu den ägyptischen Textilien gehören Fragmente von Leichentüchern des Sakkaratyps sowie einige Chest Strips (Mumienbinden) mit vergoldeten Appliken; zu den Doppelgeweben (Taqueté) zählt ein Fragment mit Dionysosfeldern. Ein Rest mit Architekturdarstellung stellt eine interessante Parallele zum Kolluthos-Vorhang dar. Als seltene Zeugen dezidiert christlicher Nutzung (Inschrift XIC NKH) sind einige Tuchfragmente zu nennen, deren (liturgische?) Funktion noch zu bestimmen ist.
Hinweise auf eine sepulkrale Zweitverwendung (Spuren von Wicklung) zeigen eine Reihe von Tüchern mit broschiertem Dekor. Aus dem Bestand an Mützen sind mamelukische Exemplare in Stepptechnik hervorzuheben. Wieder aufgetaucht ist ein Grab(?)-Tuch in Temperamalerei mit dem Erzengel Michael, angeblich aus Antinoe. Schließlich lassen sich zwei Teile eines Leinentuches mit reservetechnischem Dekor zusammenfügen; sie reflektieren eine Apsiskomposition, oben Christusbüste im Kranz, unten Maria zwischen Aposteln.
Der Ursprung der liturgischen Gewänder liegt zum grössten Teil im Dunkeln. Über dem fünfzehnteiligen Bestand des bischöflichen und priesterlichen Habitus in der griechischen und russischen Tradition sind nur in Bezug auf drei Teile (nämlich Omophorion, Sakkos und Mitra) systematische Forschungen betrieben worden. Es ist also kaum möglich auf dem heutigen Stand der Forschung eine Geschichte der Messgewänder zu schreiben. In den meisten Fällen können nur oberflächliche Andeutungen gemacht werden, oder besser, eine Anregung zur Forschung in diesem vergessenen Gebiet der allgemeinen Insignienkunde gegeben werden.
Joseph Wilpert hat gezeigt, dass die ersten Christen keine besondere liturgische Kleidung benutzten, und dass die etwa seit dem 4. Jh. in Gebrauch genommenen kirchlichen Gewänder aus der spätrömischen und spätgriechischen Alltagstracht stammten. Hinsichtlich der byzantinischen Gewänder muss man jedoch mit einem anderen wichtigen Faktor rechnen, nämlich die Insignien und Gewändern, die von den Würdenträgern des byantinischen Staates getragen wurden. Schon in konstantinischer Zeit sind die Bischöfe und der christliche Klerus als eine bestimmte Klasse mit Rechten und Privilegien in die strenge byzantinische Ranghierarchie eingefügt worden. Symeon von Thessaloniki formuliert die Grundauffassung der Natur der priesterlichen Gewänder: sie seien Träger der göttlichen Gnade. Er stellt auch die grundlegende Frage, was es bedeute wenn der Bischof sich in die heiligen Gewänder kleidet. Das Bekleiden mit der heiligen Stola, so antwortet er, symbolisiere die heilige Inkarnation. Er geht aber noch weiter und sagt, dass ein geweihter Priester notwendigerweise heilige Gewänder tragen müsse, und dass es für ihn unmöglich sei ohne Stola zu zelebrieren oder irgendeine priesterliche Funktion auszuüben.
Die liturgischen Gewänder der Ostkirche stellen mit ihrem Bildschmuck die Heilsgeschichte dar. Sie zeigen in ihren vom Kaiserhof übernommenen Insignien Zeichen, die als delegierte Macht verstanden werden können .Die kirchliche Prachtentwicklung wird tatsächlich als eine Seite der kaiserlichen Machtausübung betrachtet. Die deutlich hierarchische Bewertung der Insignien entspricht genau der Auffassung der göttlichen und irdischen Hierarchien und ihrer Parallelität, wie sie von Dionysios Areopagites systematisiert worden sind. Die Insignien sind sakral und gnadenwirkend. Genau wie die Ikonen sind sie notwendige Voraussetzungen für den Gottesdienst. Ihre Geschichte fängt in allgemeinen Alltagskleid und Dienstkleid der römischen Bürger an und endet in der Übernahme von einer kaiserlichen Krone und Mänteln. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der heiligen kosmischen Ikone. Sinnbild der Welt.
Literatur:
Elisabeth Piltz, Kamelaukion et mitra. Insignes byzantins impériaux et ecclésiastiques, Acta universitatis Upsaliensis, Series Figura n.s. 15, 1977.
Elisabeth Piltz, Costume comme communication théologique – exposé dediée à la mémoire de princesse Anne de Moscou, jeune impératrice de Byzance, Byzantinoslavica LXI, 2003, 169–178.
Elisabeth Piltz, Loros and sakkos – studies in Byzantine imperial garment and ecclesiastical vestment, Oxford 2009.
Der Vortrag stellte einen neuentdeckten Komplex von zwei Wölbbauten im Dorf Aramus nordöstlich von Jerewan vor. Der eine, von hoher Qualität der Bautechnik und verhältnismäßig gut erhalten, dürfte ein Obergeschoß gehabt haben. Der zweite, errichtet in einer Bautechnik, die der der im 19. Jh. in der Aramus-Ebene errichteten Basiliken gleicht, ist eher schlecht erhalten. Fragen von Datierung und Funktion sind bisher offen.
Die seit 98/99 n. Chr. erbaute Colonia Ulpia Traiana wurde schrittweise seit dem späten 3. Jh. zerstört und schließlich aufgegeben. Ende d. 3./Anf. d. 4. Jhs. legte man auf reduzierter Siedlungsfläche eine Befestigung an, wahrscheinlich die bei Ammianus Marcellinus genannte Tricensimae. Neue Befunde zeigen, dass noch bis zum frühen 5. Jh. am unteren Niederrhein Teile römischer Militärordnung bestanden. 1 km vor der Stadt belegt am römischen Rheinarm bei Lüttingen und Wardt ein Kontrollturm mit Bauphase im 4. Jh. und fränkischen Gräbern des 5. Jhs. die Kontinuität.
Die oberen – spätantiken – Schichten im Grabungsgebiet CUT, sind oft archäologisch verloren. Interpretationen zu den unveröffentlichten Funden des 4./5. Jhs. sind widersprüchlich. Ch. Rüger schloss 1979 eine Besiedlung der reduzierten Stadt nach Mitte d. 4. Jhs. aus, kartierte aber Keramik der 2. H. d. 4. Jhs. Seine Münzreihe für die CUT war zwischen 275 und 310 unterbrochen, deshalb erschloss er eine Diskontinuität und Errichtung der Tricensimae nach 310. Neuerdings sind aber Münzen und Militaria der 2. H. d. 4. Jhs. bekannt, Rügers Interpretationen also nicht aufrecht zu halten. Die Siedlung der Tricensimae verlagerte sich im 5. Jh. zum Xantener Domhügel.
In der christlichen Überlieferung taucht Xanten ab dem 6. Jh. auf. Martyrerbestattungen des 4. Jhs. unter dem Xantener Dom gab es nicht. Bischof Eberigisil von Köln fand die Tradition der lokalen Verehrung eines Grabes vor und band sie in die Strukturen seines Bistums ein. In welcher Zeit die christlichen Ursprünge der Verehrung wurzeln, ist unbekannt. Ältester christlicher Fund aus der Region ist der Grabstein für Batimodus, wohl aus der spätesten römischen Zeit. Hier enden die Möglichkeiten wissenschaftlicher Interpretation. Wie überall gab es im Xantener Raum sicherlich im 4. Jh. Christen. Ob sie zu einem Gemeindeleben zusammenfanden, kann nicht beurteilt werden. Bischöfe sind nicht überliefert. Dies steht im Zusammenhang mit dem starken wirtschaftlichen Niedergang der Region und dem Bedeutungsverlust der Tricensimae im 4. und vollends im 5. Jh.
Literatur:
Th. Otten/S. Ristow, Xanten in der Spätantike. In: M. Müller/H.-J. Schalles/N. Zieling (Hrsg.), Colonia Ulpia Traiana. Xanten in Römischer Zeit (Mainz 2008, im Druck) S. 547–580.
Mit älterer Lit.: S. Ristow, Eberigisil. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band 22 (Nordhausen 2003) Sp. 299–304.
Wie gehen die Christen mit der Tradition der Selbstdarstellung auf den frühchristlichen Sarkophagen um? Wie setzten sich die Verstorbenen im christlichen Kontext in Szene, aber auch besonders: Was sagen die Bilder über die Christen, ihr Selbstverständnis und ihre Jenseitsvorstellungen aus?
Verstorbenendarstellungen auf frühchristlichen Sarkophagen sind häufiger als erwartet anzutreffen und das das ganze 4.Jh. hindurch.
Die Porträts im Clipeus, kompositionell die einfachste Art, einen Verstorbenen in das kohärente Bildprogramm der biblischen Welt aufzunehmen, sind auch in frühchristlicher Zeit sehr verbreitet. Diese Darstellungsform dient durchaus zur Wiedergabe von Tugenden und positiven Eigenschaften und kam dem Repräsentationsbedürfnis der Auftraggeber entgegen. Das Standard-Modell wird auf einigen Stücken individuell angepasst. So z.B. auf dem Riefelsarkophag aus San Sebastiano (Rep. I 240), der ungewöhnlicherweise zwei Frauen, wahrscheinlich Asketinnen, in einem Tondo zeigt. Ob die Darstellung im Clipeus nun ein wirkliches, angepasstes oder auch verzerrtes Bild des Grabinhabers gab, deckend mit der Anforderung, eine engere Verbindung zum Thema des Sarkophages herzustellen, war sie nicht.
Dies geschah dagegen bereits ab dem Ende des 3.Jhs. auf frühchristlichen Sarkophagen mit Hilfe von Identifikationsfiguren. Während die auf paganen Sarkophagen beliebten Philosophen und Musen nur noch selten zur Darstellung der Verstorbenen verwendet werden, hat das Bild der Oransfigur einen riesigen Erfolg. Auch die Oransfigur stammt aus der paganen Kunst, wird jedoch mit neuem Inhalt gefüllt. Als eigenständige Figur wird sie zum Symbol christlicher Frömmigkeit und zur wichtigsten Identifikationsfigur der Grabinhaber. Wie auf heidnischen Sarkophagen, können Bilder von Verstorbenen auch auf christlichen Särgen in Huldigungsszenen, Bilder des Herrschers und Lehrers Christus und in biblische und apokryphe Szenen integriert werden. Wie vorher diffuse Heilsvorstellungen dadurch zum Ausdruck gebracht wurden, ist es nun das von Christus erwartete Heil, das diese Bilder thematisieren.
Der Vortrag setzte sich mit den aus einem Stück gefertigten frühbyzantinischen Taufbecken auseinander, die innerhalb der Erzeugnisse des spätantiken Steinmetzwesens eine eigene Gruppe bilden. Sie weisen eine enorme Formenvielfalt auf; einzelne Gestaltungen zeigen Bezüge zu früheren und gleichzeitigen gemauerten Taufanlagen, andere sind in ihrer vielfachen Kombination verschiedener Innen- und Außenformen diesen nicht vergleichbar. In den meisten Fällen fand das Material Marmor Verwendung. Mehrere Stücke aus prokonnesischem Marmor, damit also aus konstantinopolitanischer Produktion, lassen sich als Exportware innerhalb des liturgischen Mobiliars anderer Gebiete des byzantinischen Reiches, beispielsweise Kilikiens, ausmachen.
Die später vielfach umgearbeiteten hauptstädtischen Stücke besaßen in ihrem ursprünglichen Zustand eine Außenpartie, die im unteren Bereich nur grob bearbeitet wurde. Sie waren damit sicherlich bis zu dieser Höhe in den Boden einer Taufanlage eingelassen gewesen. Die einzelnen Taufbecken lassen zudem verschiedene Systeme der Installation in ihrem ehemaligen Baugefüge, wie unterschiedliche Kombinationen aus mutmaßlichen Zu- und Abflüssen, erkennen. In einigen Fällen ist aufgrund des Fehlens solcher Einrichtungen von einer Befüllung der Becken von Hand auszugehen, ein Vorgang, der auch durch Schriftquellen belegt ist.
Obgleich sich die meisten der monolithischen Taufpiscinen nicht mehr in situ befinden, in vielen Fällen also ein Datierungsanhalt über die Zugehörigkeit zu datierbaren Kirchen- oder Baptisteriumsarchitekturen entfällt, lässt sich für die Stücke aus hauptstädtischer Herstellung ein Produktionszeitraum festmachen, der möglicherweise bereits im 5. Jh. begann und wohl zum Anfang des 7. Jhs. auslief. Für viele andere Exemplare, die auch aufgrund ihrer schlichten Außengestaltung wenige Ansatzmöglichkeiten für eine Datierung geben, muss die bisherige vage Einordnung in spätantike bzw. frühmittelalterliche Zeit in der Hoffnung auf zukünftige aussagekräftigere Grabungsbefunde zunächst beibehalten werden.