Trier, 05.-07. Mai 2000
In einer recht großen Zahl byzantinischer Kirchen Griechenlands befinden sich Synthronoi, die entweder von einem möglicherweise auch spätantik-frühchristlichen Vorgängerbau stammen und in einen Bau aus byzantinischer Zeit integriert worden sind oder zusammen mit dem Bau, in dem sie sich befinden, aus byzantinischer Zeit stammen. Für den vorgelegten Beitrag ist die Datierung des Baus in die Zeit ab dem 7.Jh. entscheidend. Erstaunlicherweise ist diesem Thema - soweit ich sehe - bislang keine Untersuchung gewidmet worden, obwohl in der Literatur mitunter eine gewisse Unsicherheit darüber festzustellen ist, wie dieses Phänomen einzuschätzen ist. Bereits Ende der 60er Jahre hat Demetrokalles anläßlich seiner Behandlung der Kirchen von Naxos darauf hingewiesen, daß die Synthronoi keineswegs nur ein Charakteristikum der spätantik-frühchristlichen Kirchen seien, sondern auch in byzantinischer Zeit häufiger aufträten, als dies allgemein angenommen würde.
Die Synthronoi in byzantinischen Kirchen lassen in die folgenden Gruppen unterteilen:
daneben existieren noch:
Daneben kommen Synthronoi und Kathedren auch an anderen Stellen vor:
Die Quellen (u.a. Symeon von Thessaloniki, Leo Allatios) scheinen - soweit es die Apsis und Apsisnebenräume betrifft - zu bestätigen, daß Synthronos und Kathedra genutzt worden sind. Wenngleich die Frage der Funktion noch nicht eindeutig geklärt werden kann, so darf man doch vermuten, daß das Auftreten dieser liturgischen Einrichtungen in byzantinischer Zeit mit dem der Ambone derselben Epoche vergleichbar ist. Für beide gibt es Hinweise in den Quellen; Ambone sowie Synthronoi und Kathedren scheinen durchaus häufig, aber keinesweges regelmäßig errichtet worden zu sein.
Bis heute sind in Istanbul acht zum überwiegenden Teil unvollständige oder stark beschädigte Porphyrsarkophage erhalten. Sie stehen im Garten des Archäologischen Museums, im Hof der Hagia Eirene und im Außenhof der Nur-u Osmaniye Camii. 1740 wurden im zweiten Hof des Topkapi Saray bei Reparaturarbeiten des Fußbodens im Küchentrakt zwei Porphyrsarkophage gefunden. Beide Stücke sind von dem französischen Reisenden Jean-Claude Flachat gezeichnet und vermessen worden. Rechnet man sie - wie bislang geschehen - den acht erhaltenen hinzu, käme man auf die Zahl von zehn. Daher galt lange, dass die zehn in der offiziellen Gräberliste des Catalogus sepulchrorum (de cerim. II, 42, S. 642-643, ed. Bonn) bezeugten kaiserlichen Porphyrsarkophage zufällig noch nachweisbar seien. Tatsächlich müssen in Konstantinopel wesentlich mehr Porphyrsarkophage existiert haben, die jedoch in den Schriftquellen nicht erwähnt sind. Sie wurden im 18. und 19. Jahrhunderten von französischen und englischen Reisenden (Salabery, Hobhouse, de Lamartine, Marchebeus) noch an ihren damaligen Standorten gesehen und mit Maßangaben beschrieben. Die Maßangaben stimmen nur zum Teil mit den Maßen erhaltener Porphyrsarkophage überein, d.h. einige Exemplare sind inzwischen verschollen. Unsere Nachforschungen in einigen Istanbuler Moscheen haben ergeben, dass Porphyrsarkophage in osmanischer Zeit zerschnitten und wiederverwendet worden sind. Durch diese archäologischen Belege wird sich die Zahl der nachweisbaren Porphyrsarkophage weiter erhöhen.
Literarische Zeugnisse bekunden die lebendige Kenntnis der tradierten Mythen - ihrer Helden und Geschichten - auch in der Spätantike. Vergleicht man erhaltene bildliche Darstellungen mit diesen Texten, so wird deutlich, dass jene die Mythen in eigener Weise rezipieren und in eigentümlicher Weise umformen. Oftmals wird der erzählerische Gehalt zugunsten von Repräsentationsabsichten zurückgedrängt, was Rückschlüsse auf das Interesse der Auftraggeber zulässt. Dieses in einer Reihe von jüngeren Arbeiten beschriebene Phänomen läßt sich auch an der Mosaikproduktion im Heiligen Land festmachen. Das Mosaik aus sheikh zuweijid im nördlichen Sinai (heute im Museum Ismailiya), das ehemals wohl einen privaten Empfangsraum schmückte, manifestiert diesen spätantiken Zwang zur Repräsentation besonders deutlich. Inschriften in drei Feldern steuern die Inszenierung durch Kommentierung der Bildwahrnehmung. Ein Bildfeld zeigt die Teinehmer eines dionysischen Thiasos. Sie stehen als Aufforderung an den Betrachter, sich dem Lebensgenuss hinzugeben. Die Phädra-Hippolyt-Szene im obersten Bildfeld ist ganz deutlich auf den realen Hausherrn ausgerichtet, von dem man sich vorstellen muss, dass er oberhalb des Bildfeldes seinen Platz hatte. Nicht der tragische Konflikt ist dargestellt, sondern mit charakteristischer Neudefinition traditioneller Bildformeln die Aussage: "Der Haushalt ist durch das Wirken des dominus, bildlich verkörpert durch Hippolytus, bestens geordnet."
Im Vortrag wurde der Versuch unternommen auf den spätantiken Umgang mit mythologischer Plastik aufmerksam zu machen, um Aussagen über den Bedarf an rundplastischen Werken in der Spätantike zu treffen.
Dabei spielt die Rolle der Wiederverwendung mythologischer Plastik eine ebenso bedeutende Rolle, wie die spezifische und mitunter veränderte Darstellung mythologischer Themen in Form statuarisch überlieferter Bildtypen wie z.B. im Bereich der Mosaikkunst. Es zeigt sich, daß der Inhaltswandel in der Auswahl der Themen und der Darstellungsart der mythologischen Themen einerseits überlieferte Ideale der mythologischen Inhalte berücksichtigt, anderseits aber eine deutliche Hinwendung zu szenisch- genrehaften Charakter besitzen. Die Wertschätzung zu den überlieferten Bildinhalten und einzelnen Kunstwerken bleibt parallel erhalten und wandelt sich zu einer Art Denkmalpflege, die bis dahin aufgrund reproduzierbarer Ausstattungsprogramme nicht notwendig war.
Diese Beobachtung spricht dafür, die Rolle der Idealplastik nicht allein als überliefertes Kulturgut oder ornamenta urbis, sondern auch als Ausdruck eines individuellen Interesses am Kunstwert zu bewerten, wofür ebenso einige spätantike Quellen sprechen. Es schließt sich die Frage an, ob durch diesen Wandel am Interesse der Bedarf an mythologischer Plastik allein mit wiederverwendbaren Material gedeckt war, oder nicht eine Reihe von Neuproduktionen notwendig waren. An diese Überlegung werden sich erneut stilkritische Untersuchungen von ausgewählten statuarischen Material anschließen müssen, um auch hinsichtlich sich wandelnder Zeitstile über den Wandel im Geschmack der Spätantike ein Aussage zu treffen. Es wurde kurz das Problem der Stilanalyse an spätantiken Werken vorgestellt. Die Bemühungen statuarische Werke durch stilkritische Untersuchungen dem 4.Jh. zuzuweisen, wurden zumeist abgelehnt. Die Ablehnung der Spätdatierung gründet sich u.a. in einer methodischen Unsicherheit im Umgang mit den Stilphänomenen der späten römischen Kaiserzeit, wie der Verwendung stilgeschichtlich nicht eindeutig geklärter Phänomene des 4.Jh. und 5.Jh. Dazu zählen die vor allem für die theodosianische Epoche verwendeten Begriffe wie retrospektive Tendenzen, Klassizismen und Renaissancen. Offenbar zeigt sich wie schon in den Darstellungsmodi bei den vor allem aus kleinasiatischen Werkstätten stammenden Werken eine ausgeprägt virtuose Stilform, die in der Forschung als hellenistisch oder auch als retrospektiv bezeichnet wurde. In der Studie soll den auslösenden Momenten dieser Stilformen nachgegangen werden.
Durch der Verbindung der Ergebnisse aus Stilanalyse und Analyse des ideellen Umgangs mit mythologischer Plastik, soll der Begriff und die Dauer des römischen Kopienwesens in der Spätantike erneut untersucht werden
Es ist auffällig, dass Pontius Pilatus seit konstantinischer Zeit im Rahmen der Programme frühchristlicher Sarkophage begegnet und etwa hundert Jahre lang dort thematisiert wird. Später begegnet Pontius Pilatus durchweg nur noch im Kontext narrativer (Bibel-)Illustrationen. Es kann wahrscheinlich gemacht werden, dass der römische Präfekt (so historisch) und Prokurator (so anachronistisch in der frühchristlichen Literatur) eine unverzichtbare Rolle im Rahmen der literarischen Strategie in den Evangelien des NT spielt. Er 'beweist' die Unschuld des als 'schuldiger Verbrecher' verurteilten Jesus und ermöglicht damit die Tauglichkeit Seines Kreuzestodes als 'Opfertod' für die vielen. Das 4. Jh nC ist das Jahrhundert der 'staatlich geförderten' Institutionalisierung des Christentums in einer noch überwiegend 'heidnischen' (religiös-kultisch anders orientierten) Umwelt. 'Christsein' ist aber - und vermutlich besonders für Angehörige der 'höheren Stände' (und als solche wird man die Besteller aufwendiger Fries- und Säulen- oder Baum-Sarkophage im 4. Jh bezeichen dürfen) - noch immer 'Legitimations-bedürftig'. Pilatus repräsentiert im Judäa der Zeit Jesu die 'kaiserliche Autroität'. Der Referent vertritt die Meinung, dass der 'frühchristliche Sarkophag-Pilatus' als Typos der römischen Kaiser seit Konstantin fungieren soll, die Christus und damit das Christentum 'legitimieren'. Der Iunius-Bassus-Sarkophag könnte dies auf besondere Weise verdeutlichen, weil sein 'Besitzer' als Konsul das höchste Ehrenamt des Römischen Reichs bekleidet. - Das Interesse am Thema erlischt wohl, nachdem Theodosius I. das Christentum zur einzigen 'lizensierten' Religion des Römerreichs erklärte. (Staatskirche im juristischen Sinn wird das Christentum erst viel später unter Justinian, der den Klerus verbeamtet.) - Das Referat-Thema steht im Kontext einer Studie zu den Pilatus-Szenen in der frühchristlichen Sarkophag-Plastik (gemeinsam mit Claudia Nauerth).
Angesichts der Debatte um Doppelkirchen und Kirchenkomplexe der Spätantike erinnerte der Vortragende an einen einschägigen Text, der des öfteren zitiert, aber nie zusammenhängend ausgewertet worden ist: Athanasius von Alexandrien, Apologia ad Constantium 14-15. Es handelt sich um einen Auszug aus der von Bischof Athanasius an Kaiser Constantius II. gerichteten Verteidigungsschrift. Einer der Anklagepunkte, gegen die Athanasius sich zur Wehr setzt, lautet, er habe in einer im Bau befindlichen, noch nicht eingeweihten Kirche Alexandriens Gottesdienst gefeiert. Zu seiner Entlastung macht der Bischof geltend, daß er sich durch die übergroße Zahl der Teilnehmer an der Osterfeier gezwungen gesehen habe, auf eine größere, wenn auch noch unfertige Kirche auszuweichen. Zu seiner weiteren Entschuldigung weist Athanasius noch auf zwei Präzedenzfälle hin: In Aquileia und Trier habe man ebenfalls in unfertigen Kirchen Gottesdienst gefeiert, ohne daß dies zu einer Anklage geführt habe. Im Vortrag ging es darum, den Hintergrund dieser Aussage auszuleuchten, die genannten Gottesdienste im Kirchenjahr (Ostern) und in der Chronologie des Athanasius zu fixieren und vor allem auch um den Versuch, die Kirchweihfeste mit kaiserlichen Kirchenstiftungen und Herrscherfesten zu verknüpfen. Bei solchen Anlässen wurde für das Heil des Kaisers gebetet. Ein solches Gebet enthält auch die genannte Verteidigungsschrift des Athanasius; es beleuchtet in besonderer Weise den politischen Aspekt der spätantiken Kirchweih.
Bei Grabungen in der ehemaligen Pfarrkirche von St-Imier wurde 1986/7 u. a. ein Grab entdeckt, in dessen Einfüllung sich zahlreiche Fragmente monochrom bemalten Verputzes fanden. Spuren auf den Rückseiten der Fragmente sprechen dafür, dass der Putz einst auf einer Trägerstruktur aus Holz oder Schilfblättern auflag. Aufgrund der Befundsituation muss nun angenommen werden, dass diese Struktur bereits zerstört war, als sie in die Grabgrube gelangte, weshalb die Ausgräber zunächst an einen ephemeren Aufbau am offenen Grab dachten, der dann zusammen mit der Leiche "bestattet" worden wäre. Als anderes - und weitaus plausibleres - Szenario wäre an eine hölzerne Tumba zu denken, die - da sub divo liegend - relativ schnell zerbrochen und in die Grube gesackt wäre. Datierungshinweise ins 7./8. Jh. liefern einerseits die Radiokarbonanalyse des Putzes, anderseits Dekor- und Schriftelemente auf den erhaltenen Fragmenten; der Befund ist publiziert in: Saint-Imier. Ancienne église Saint-Martin, fouilles archéologiques 1986/87 et 1990, Bern 1999, S. 73-84.
Die Stadt Oxyrhynchos zählte in der Spätantike zu den bedeutendsten poleis (griech.) Mittelägyptens; gegen 386 n. Chr. wurde sie Hauptstadt der neugegründeten Provinz Arcadia. In den Klassischen Altertumswissenschaften assoziiert man Oxyrhynchos mit ertragreichen Papyrusgrabungen; zwischen 1896/97 und 1934 wurde jedoch auch, vorwiegend auf dem Gelände der Nord-Nekropole, ein reicher Fundus spätantiker Bauskulptur zutage gefördert. Mehr als 650 Beispiele dekorativer und figürlicher Steinmetzarbeiten erlauben es aufgrund ihrer Vielfalt und Anzahl, für die mittelägyptische Provinzhauptstadt einen vorderen Rang unter den Fundstätten spätantiken Baudekors zu beanspruchen. Im Vortrag wurde an ausgewählten Beispielen dargestellt, in welcher Weise die Bildhauer von Oxyrhynchos bis weit in das 6. Jh. hinein zeitgenössische Entwicklungen aus den großen Marmor-Offizinen Konstantinopels aufgriffen und in die Möglichkeiten der Kalkstein-Skulptur umsetzten. Neue Einzelmotive (wie das großgezahnte Akanthusblatt oder geometrisiertes Weinlaub), Musterrapporte (z.B. axial verkettete Kreisfolgen) und Gesamtformen (beispielsweise des Kämpferkapitells) wurden übernommen und mit dem traditionellen, kaiserzeitlich geprägten Repertoire verknüpft (z.B. Ersatz der Blattkelche korinthischer Kapitelle durch herzförmige Rankenfelder mit stilisierten Weinblättern). Die lokale Adaption bezeugt mitunter Spielarten hauptstädtischen Formenguts, die in Konstantinopel selbst nicht überliefert sind (z.B. gänzlich umflochtenes Kämpferkapitell). Marmorne Fertigimporte aus der Hauptstadt sowie Halbfabrikate, die in Ägypten selbst, mutmaßlich im Einfuhrhafen Alexandreia, vollendet wurden, waren Vehikel des äußeren Einflusses. Seiner Akzeptanz standen in der mittelägyptischen, "koptischen" Provinz keinerlei außerkünstlerische - etwa patriotische oder gar religiöse - Gründe entgegen. (Die Untersuchungen werden in der Dissertation von Kirsten Krumeich "Spätantike Bauskulptur aus Oxyrhynchos. Lokale Produktion - äußere Einflüsse" veröffentlicht werden.)
Die Bestände befinden sich z.Z. noch in zwei Arbeits- und Bibliotheksräumen der Theologischen Fakultät in der Domstr.11/IV, sollen ab WS 2000/01 nach dem Umzug in mehreren Räumen am Rubenow-Platz untergebracht werden. Die Sammlung umfaßt drei Teilbereiche: Antike Kleinkunst (Ampullen, Lampen, Stoff, 130 Bronzemünzen, überwiegend der Spätantike), rund 30 mittelalterliche Originale (gotische Plastik, Elfenbeinwerke, Manuskripte, Ikonen) und gut 150 Abgüsse von kirchlichen Geräten des Mittelalters (Diptychen, Buchdeckel, Patenen, Kelche, Kästchen, Leuchter usw.). Angaben über die Herkunft der Objekte sind selten und inhaltlich spärlich, gut dokumentiert sind dagegen Maßnahmen der Restaurierung. Inzwischen ist die Bestandsaufnahme im wesentlichen abgeschlossen. Die antiken Objekte werden 2000/02 publiziert, für die Abgüsse ist ein kommentiertes Verzeichnis vorgesehen, die Publikation der mittelalterlichen Bestände ist anvisiert.
Es scheint häufig nur so, als seien das ursprüngliche Aussehen und die Nutzung des Gemeinderaumes bekannt. In vielen Fällen gibt es Befunde, die bisher nicht oder nur selten zur Kenntnis genommen wurden und die wesentliche Fragen noch unbeantwortet lassen. Die Abtrennung von Seiten- und Mittelschiff gibt auch heute noch die Separierung und damit eine Ordnung von bestimmten Personengruppen im Kircheninnenraum zu erkennen. Daß eine solche Abschrankung ein regionales Spezifikum war (so z.B. Th. Mathews), kann nicht mehr gelten: Für Konstantinopel lassen sich solche Schranken nachweisen (Beyazit, Basilika A, jetzt auch Stoudiosbasilika), ebenso in Kleinasien (Bspp.: Perge, Kirche A; Hierapolis, sog. Bischofskirche; Ephesos, Johanneskirche). In Thessaloniki übernimmt die Acheiropoietos die k'pler Form der Schiffstrennung. Daneben gibt es aber auch hier eine andere: Niveauabsenkung im Seitenschiff (H. Demetrios). Die fünf veröffentlichten Kirchen in Philippi zeigen darüber hinaus weitere unterschiedliche und auch wechselnde Lösungen: selbständige Schrankenanlage und Erhöhung des Stylobats. Nach derzeitigem Stand der Forschung ist hieraus keine chronologische Entwicklung abzuleiten. Die Verwendung unterschiedlicher Formen der Abtrennung, der z.T. stark eingeschränkte Sichtbezug vom Seitenschiff, die Zugänglichkeit des Mittelraumes von dort und der Bezug von Abtrennung und spezieller Funktion der Kirche sind einige der Fragen, die noch überzeugender Lösungen harren. Vorläufig ist festzustellen, daß durchweg Zentralbauten und deren Verwandte ohne Abtrennung des Mittelraumes auskamen, was der Grund dafür auch immer gewesen sein mag.
Während des etwa 50-jährigen Grabungszeitraumes erschienen zahlreiche – meist mit einer hypothetischen Deutung verknüpfte – Vorberichte zu den Befunden, gleichzeitig wurden aber nur wenige Funde als Einzelstücke oder in kursorischer Form behandelt. Ende 1999 wurde von der Gutachterkommission der Nordrhein-Westfälischen-Akademie der Wissenschaften beschlossen, den Referenten mit der Publikation der nachantiken und vorkarolingischen Funde und Befunde zu beauftragen. Die Bearbeitung endet mit der Vorlage eines druckfertigen Manuskripts im Dezember dieses Jahres.
Zunächst wurden etwa 2.000 Scherben (ca. 1 Prozent der gesamten Fundmenge) aussortiert und in Kurzform katalogisiert, die ca. 4.000 Kleinfunde wurden kursorisch auf den Bestand aus dem Bearbeitungszeitraum gesichtet. Die Aufarbeitung der römischen und karolingischen Phasen soll zu späterer Zeit erfolgen. Mit fehlerhaften Zuordnungen von Funden in die Bereiche anderer Bearbeiter muß also gerechnet werden.
In befundrelevantem Zusammenhang befinden sich weniger als 100 aussagekräftige Randfragmente von Gefäßen des 4.–8. Jhs. sowie einige klar datierbare Wandungsscherben. Das Gros der Funde stammt aus dem 4. und frühen 5. Jh., dabei handelt es sich meist um rauhwandige Gefäßkeramik sog. Mayener Ware. Die übrigen Funde erweisen wie die Baubefunde die Kontinuität zwischen Antike und Karolingerzeit. Das Absinken der Keramikmengen in der Merowingerzeit dürfte u. a. mit der zunehmenden Verwendung anderer Materialien zur Gefäßherstellung – wie etwa Holz – und nicht mit einem Abbruch der Nutzung des Platzes zu erklären sein.
Weite Teile des heutigen Domgrundstücks wurden in der Spätantike von einer kleinteiligen Wohn- und Gewerbebebauung eingenommen. Im 5. Jh. wurden u. a. römische Straßenverläufe gekappt und Gräben zugeschüttet. Westlich der heutigen Vierung bestand ein größeres Gebäude unbekannter Funktion mit Zugang von Osten und einer vorliegenden Säulenstellung. Im Chorbereich des heutigen Domes entwickelte sich über den reich ausgestatteten merowingischen Gräbern der 1. H. d. 6. Jhs. das früheste sicher als Kirche ansprechbare Gebäude mit der schlüssellochförmigen Amboanlage. Der Bereich in dem die beiden Gebäude ihre West- bzw. Ostgrenze besaßen, ist wegen seiner besonders zahlreichen Umbauphasen interessant. Die Entwicklung der frühchristlichen Kirche endet in dem großflächigen Bau mit dem sog. St. Galler Ringatrium als Westabschluß. Das östlich liegende Baptisterium läßt sich nicht direkt über Baubefunde mit einer Kirchenphase verknüpfen, gehört aber sicherlich in das 6. Jh.
Theoretisch wäre eine Erfassung der zu bearbeitenden Befunde als CAD-Daten, ebenso wie ihre Publikation, etwa als CD-ROM möglich. Aus Gründen des Projektumfanges wird dies ebenso unterbleiben müssen wie die Neuvermessungen von Teilen der Befunde, die eigentlich notwendige Wiederaufdeckung einzelner heute zugeschütteter Bereiche und die Untersuchung von Mörtel- bzw. Estrichanalysen.
Literaturnachtrag: S. Ristow, Die frühen Kirchen unter dem Kölner Dom. Befunde und Funde vom 4. Jahrhundert bis zur Bauzeit des Alten Domes. Studien zum Kölner Dom, Band 9 (Köln 2002); Ders., Spätantike Kirchen unter dem Dom? Ergebnisse der Grabungen und die Frage nach der ersten Kölner Bischofskirche. In: S. Ristow (Hrsg.), Neue Forschungen zu den Anfängen des Christentums im Rheinland. Jahrbuch für Antike und Christentum, Ergänzungsband, Kleine Reihe 2 (Münster 2004), S. 93–121.
Die 1970 gefundenen, fragmentierten Silbergefäße von dem westrumänischen Fundort Tauteni Bihor sind in der bisherigen Forschung kaum zur Kenntnis genommen worden. Es handelt sich bei den Objekten um eine Kanne und um ein vasenähnliches Gefäß. Die Kanne ist mit einem fünfzonigen Dekor aus vegetabilen und figuralen Motiven verziert. Den Halsbereich schmückt ein umfangreiches Rankenwerk. Darunter folgt eine bukolische Landschaftsdarstellung, die mit Schafen, Rindern und einem Hirten belebt ist. Den Gefäßbauch nimmt ein dionysischer Thiasos ein, auf den maritime Motive mit der Darstellung von Nereiden und Kethoi sowie einem einzelnen Eroten folgen. Den unteren Abschluß des Dekors bildet ein Blattkranz. Die Kanne vereint mit den bukolischen und maritimen Szenen sowie dem Thiasos drei der in der Spätantike beliebtesten Bildmotive. Aufgrund stilistischer Vergleiche kann die Kanne in das ausgehende 4. oder in das beginnende 5. Jahrhundert datiert werden. Auf dem Zwischenstück oberhalb des Fußes befindet sich eine einpunzierte Buchstabenfolge, die als Gewichtsangabe anzusprechen ist: BHCA (Besa = Name oder Region) Theta (griech.) (als Genetivendung eines Namens oder als Kürzel für Thessaloniki als Herstellungsort) Lamda (griech.) (litras [griech.], lat. Pondo [Pfund]), Iota (griech.) Delta (griech.) Delta (griech.) (14 = 4584,3 g) / Gamma (griech.) omikron (griech.) (ogkias [griech.], lat. Uncia), Theta (griech.) (9 = 245,59 g) / Gamma (griech.) Rho (griech.) (grammata, lat. Äquivalent: scripulum [Gramm]), Theta (griech.) (9 = 10,26 g). Es ergibt sich somit bei einem angenommenen Pfundgewicht von 327,45 g ein ehemaliges Gewicht von 4840,15 g. Der Vergleich mit ähnlich großen Gefäßen (Höhe 64,5 cm) läßt dieses Gewicht als durchaus zutreffend erscheinen.
Das vasenähnliche Gefäß weist einen fünfzonigen Dekor auf. Der obere Halsbereich ist von einem Blattkranz umgeben, auf den stark fragmentierte maritime Motive folgen. Der gesamte Bauch wird von einer Szenenfolge bedeckt, die den Mythos des Bellerophon zum Gegenstand hat. Durch einen breiten Wulst ist ein Bildstreifen mit maritimen Motiven abgetrennt. Den unteren Abschluß bildet ein Blattkranz. Die Darstellungen aus dem Leben des Bellerophon (Poseidon [stellvertretend für die Geburt des Pegasos], Opfer Bellerophons für Athena Hippeia und Kampf mit der Chimäre) auf einem Silbergefäß sind einzigartig in der Spätantike und machen die besondere Bedeutung dieses Gefäßes aus; vermutlich ist es in das ausgehende 4. oder beginnende 5. Jahrhundert zu datieren. Auf dem Boden des 46,4 cm hohen Gefäßes befindet sich eine eingeritzte Gewichtsangabe aus einem Pondokürzel und einem X als Zahlwert. Das Gefäß wog demnach ursprünglich 3274,5g.
Vor einigen Jahren begann die Abegg-Stiftung, ihre umfangreiche Textilsammlung in Bestandskatalogen zu publizieren. Zur Zeit ist u.a. der Band der spätantik bis frühislamischen Textilien in Bearbeitung. Er umfaßt ca. 230 Stücke, von den großen Wandbehängen bzw. Fragmenten über die groß- und kleinformatigen Wirkereien bis zu den Woll- und Seidengeweben. Das Material wird nach den ermittelbaren Funktionen der Textilien (Wandbehang, Decke, Kleidungsstück etc., unbestimmbar) in Kapitel gruppiert. Jede Katalognummer wird mindestens Textilanalyse, Beschreibung, Einordnung und (zumindest eine) Schwarz-weiß- bzw. Farbabbildung umfassen.
Das Erscheinen dieses Bandes ist für Sommer 2001 geplant.
Literarische Quellen bezeugen einen eigentlichen Kirchenbau erst seit dem späteren 3. Jahrhundert. Wie der Gottesdienst vorher vorzustellen ist, bleibt unklar. In den Großstädten muß zu dieser Zeit bei der Größe der Gemeinden mit einer Mehrzahl gottesdienstlicher Veranstaltungen gerechnet werden, bei denen Presbyter statt des Bischofs die Leitung innehatten. Die Lateransbasilika steht am Anfang des monumentalen Kirchenbaus. Hier setzt wohl etwas Neues ein, besonders wenn damals schon der Platz der Gemeinde in den Seitenschiffen war. Nach einzelnen vorausgegangenen Entwicklungen (besonders in Nordafrika) ist Eusebs Einweihungsrede für die Basilika in Tyros (um 319; Eus. h.e. 10) das erste literarische Denkmal, wo die Kirche naos (Tempel), der Abendmahlstisch thysiasterion (Altar), die Bischöfe (und andere Kleriker?) hiereis (Priester) genannt werden. Damit war die Kirche dem alttestamentlichen Tempel und seinem Kult angenähert. (s. H.G. Thümmel, Versammlungsraum, Kirche, Tempel. In: Gemeinde ohne Tempel, hrsg. v. B. Ego, A. Lange u. P. Pilhofer, Tübingen 1999 (Wiss. Untersuchungen z. NT 118), S. 489-504.)
Vivas in deo, vivas in deo XP, vivas in deo XP semper, vivas in domino bzw. vivas nur in Verbindung mit einem Namen - so lautet der überwiegende Teil der Graffiti, die in den Verputz der Chorschranken in der SO-Basilika der Trierer frühchristlichen Kirchenanlage eingeritzt worden waren. Es konnten zwei gemauerte Abschrankungen nachgewiesen werden, die zeitlich aufeinander folgten und die ein erhöhtes Presbyterium im Ostteil der Basilika vom übrigen Kirchenraum abtrennten. Aufgrund des Baubefundes und aufgrund von Münzfunden konnten beide Mauern der zweiten Hälfte des 4. Jh. zugeschrieben werden. Ihre Zerstörung ist im Zusammenhang mit den mehrfachen Heimsuchung Triers durch Franken und Burgunder in der ersten Hälfte des 5. Jh. zu sehen.
Neben den bereits genannten Akklamationen wurden eine ganze Reihe von Namen in den Verputz eingeritzt - lateinische, griechische, latinisierte griechische und ein keltischer Name - , ein griechischer Graffito boethe Biktor (griech.) [...], die Bezeichnung peccator sowie verschiedene Formen des Christusmonogramms.
Auf neue Lesungen der Graffiti konnte im Vortrag nicht eingegangen werden; dieser konzentrierte sich vielmehr auf die Frage, wie der Kontext der Inschriften zu rekonstruieren ist.
Zu diesem Zweck wurde der Kontext der vivas- und boethei- (griech.) Akklamation sowie der Bezeichnung peccator herausgearbeitet und eine Auswahl von Parallelen (Rom: St. Peter, San Sebastiano, Petrus-und-Marcellinus-Katakombe, Callixtuskatakombe; Cimitile/Nola: Grab des Hl. Felix; Sinai: Wadi Haggag; Kapharnaum: Haus des Petrus; Ephesos: Johanneskirche; Resafa: Sergiosbasilika/Basilika des Hl. Kreuzes) herangezogen.
Als Ergebnis war festzuhalten, dass der Kontext von Akklamationen und Graffiti auf die Existenz einer Herrenreliquie hindeutet. Aus den antiken Quellen konnte jedoch nur auf die Möglichkeit der Existenz einer Reliquie, wie z.B. einer Kreuzesreliquie, geschlossen werden.
Zuletzt wurde untersucht, ob die Graffiti durch eine liturgische Handlung motiviert worden sein könnten. Die Erklärung der Taufe, wie sie bei Ambrosius oder in den Constitutiones Apostolicae vorliegt, und die Gebete für Verstorbene und poenitentes greifen, z.T. wörtlich, den Gedanken eines Lebens in Christus auf.
Der Quadratbau des Trierer Domes hat schon im 17. Jh. als antiker Bau das Interesse des Jesuiten Alexander Wiltheim gefunden, der in einer Zeichnung den Quadratbau mit seinem im 18. Jh. abgebrochenen oberen Geschoß überliefert. Die erste exakte Bauaufnahme des Quadratbaues durch J.N. v. Wilmowsky wurde zur Grundlage aller Überlegungen zur Rekonstruktion des im letzten Drittel des 4. Jhs. errichteten sogen. Quadratbaues. Während Wilmowsky für den Bau ein einheitliches Satteldach annahm, rekonstruierte erstmals F. Oelmann und nach ihm auch D. Krencker einen Vierungsturm und in den vier Eckquadraten jeweils niedrigere Ecktürme. Dieser Rekonstruktion schlossen sich sowohl F. Kutzbach als auch Th. K. Kempf an, ein Vorschlag, der mittlerweile die communis opinio zu sein scheint.
Jedoch zeigt schon die Bauaufnahme des 19. Jhs., daß es für die Annahme der Ecktürme keinen antiken Befund gibt; das über die ehemalige 2. Fensterzone des Quadratbaues hinausragende Mauerwerk der Ostwand ist mittelalterlichen Baumaßnahmen zuzuweisen. Demnach sind die rekonstruierten Ecktürme des Quadratbaues Spekulation und finden auch in der spätantiken Architektur keinen Vergleich. Demnach ist es denkbar, daß nur das Mittelquadrat des antiken Zentralbaues durch einen Vierungsturm überhöht war. Diese Konzeption entspräche eher spätantiker Bautradition.
(Der Vortrag soll demnächst in der Zeitschrift Das Münster publiziert werden.)
Von der dreischiffigen Emporenbasilika, die 1989 entdeckt wurde, sind bisher Naos und Narthex freigelegt. Zugehörig war auch ein Baptisterium, das bereits 1917 teilweise ergraben wurde, dann aber wieder in Vergessenheit geriet. Die Kirche weist mindestens drei Bauperioden auf, die in der Boden- und Wandausstattung gut zu fassen sind:
1. In einer ersten Phase waren alle drei Schiffe inkl.Presbyteriumsbereich mosaiziert, mit Ausnahme des westlichen Teils des Südschiffes, der mit einem Plattenboden ausgestattet war. Die Wanddekoration bestand aus flüchtiger Architekturmalerei.
2. In der zweiten Phase wurde das Presbyterium erhöht und mit einem opus-sectile Boden versehen. Gleichzeitig errichtete man den Ambo, das Mittelschiff erhielt einen Marmorplattenbelag und der Narthex einen Mosaikboden mit einem Kantharos im Mittelfeld. Die zugehörige Inschrift ist leider bis auf wenige Buchstaben zerstört. Die Malereien zeigen im Naos ein Feldersystem guter Qualität sowie im Narthex Säulen vor aufwendig gerahmten Feldern.
3. Ein kleines Fragment an der N-Wand und ein besser erhaltener Abschnitt in der NW-Ecke des Mittelschiffes zeigen, daß die jüngste Malschicht das Säulen-Felder-System auch im Naos wieder aufnimmt, allerdings unterscheiden sich Farbskala und Ausführung deutlich von den älteren Schichten. Mit dieser Neugestaltung scheinen die Errichtung von Bänken und die Schließung der Interkolumnien im Westteil der Kirche einherzugehen, darüberhinaus wurden im Ostteil der Seitenschiffe kleine Räume abgetrennt.Der bisherige Befund führt zu einer klaren relativen Chronologie des Kirchenbaues, deutlich ist auch der Zusammenhang des Mosaiks im Narthex mit dem Presbyteriumsmosaik der Kirche von Mikrevo (vgl. B.Asamer / B.Zimmermann, Mitteilungen zur Christl.Archäologie 4, 1998, 31-44) sowie weiteren Mosaiken in Sandanski. Für eine sichere absolute Datierung muß die Bearbeitung der anderen Fundkategorien abgewartet werden.
Praktische Aspekte des Ausstattungsvorgangs, die Architektur des Grabraumes, Lage und Typen der Gräber und die raumgebundene Anordnung der Malereien geben wichtige Hinweise für die Frage nach der Konzeption von Grabräumen und ihrer Ausstattung. Exemplarisch wurden einander die Katakomben-Kammern 69 in Domitilla und 78 in Marcellino e Pietro gegenübergestellt. Die Kammer in Domitilla stellt in Form und Malerei eine Speziallösung dar, bei der für eine konkrete Personenzahl Grabplätze in hierarchischer Differenzierung nach Typ und Lage im Raum geschaffen wurde, wobei zugleich eine einzigartige, individuelle Auswahl von Bildern in Bezug zu den Gräbern gebracht ist. Dagegen ist die Kammer aus Marcellino e Pietro viel stärker der Lokaltradition ihrer Katakombe verhaftet, indem sie Grabplätze in standardisierten Reihen von Erwachsenen- oder Kinderloculi weit über den konkreten Bedarf bietet und zugleich in der figürlichen (Mahlszenen) wie ornamentaler Malerei (geometrische Dekorbänder) völlig den nur hier üblichen Formenschatz rezipiert. Das deutlich verschiedene Verhältnis von Auftraggeber und Ausstatter ist bislang weder katakombenintern noch -übergreifend behandelt. Es bietet offensichtlich aber erhebliche Möglichkeiten, sich der inhaltlichen Konzeption solcher Kammern anzunähern.
(Publikation geplant für die nächsten MiChA - Mitteilungen zur Christlichen Archäologie 6/ 2000).