Münster, 02.-05. Mai 2002
An der Georg-August-Universität Göttingen erarbeitet eine Studentengruppe der Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte, unterstützt von der Zentralen Einrichtung Medien, für 2003 eine CD, die das Bestimmen und das Wiedererkennen von spätantiken Kleidungsstücken erleichtern soll. Im Zusammenwirken von Bild und Text kommt dabei dem Bild klar die Hauptrolle zu: Das nach Oberkategorien (z. B. "Mäntel und Umhänge") geordnete Material wird in der Untergliederung nach einzelnen Begriffen (z. B. paenula, lacerna) dergestalt präsentiert, daß ein meist eher kurzer Text, der die wichtigsten Informationen enthält, in mehreren spätantiken Darstellungen - und bisweilen auch in bewahrten Realien - seine Illustration findet. Wir haben dabei Wert darauf gelegt, die betreffenden Kleidungsstücke ggf. jeweils möglichst in mehreren Spielarten (alicula ohne / mit Kapuze), Tragweisen (palla um die Schulter gelegt / über den Kopf gezogen) und Ansichten (toga contabulata von vorn / von hinten gesehen) anzubieten und gleichzeitig verschiedene Kunstgattungen heranzuziehen. Die besonderen Möglichkeiten einer computergestützten Bereithaltung der Bild- und Textdaten werden voll ausgespielt, um den Lerneffekt zu optimieren. So eröffnet nahezu jedes Bildbeispiel zweierlei Wege zum Verstehen und Behalten: Durch einfaches Bewegen des Mauszeigers auf die Darstellung aktiviert sich eine optische Hervorhebung des jeweils angesprochenen Gewandes (die bracae der Drei Magier bleiben bunt, alles andere wird schwarzweiß), und durch Anklicken der Offerte "Übersicht" erscheint eine Wiedergabe des größeren Kontextes, aus dem ein Beispiel entnommen ist (in diesem Fall eine größere Partie der nördlichen Oberwand von S. Apollinare Nuovo). Alle Bilder erhalten zudem ihre Unterschriften, und ein System von Links zum Anklicken erlaubt zudem eine schnelles Hin- und Herwechseln von einem Terminus zum anderen, so daß ein vergleichendes Betrachten kaum Mühe bereiten wird. Selbstredend ergab sich bei der Vorbereitung immer wieder das Dilemma, Kleidungsstücke auch dann benennen zu müssen, wenn die konkreten Ausprägungen eine gewisse Oszillation zeigen oder wenn die Fachliteratur mangels klarer Aufschlüsse uneins ist. Manche terminologischen Probleme werden jedenfalls angesichts der Bildüberlieferung wohl nie einhellig und endgültig für jeden konkreten Fall zu lösen sein (birrus / alicula; campagi / calcei; sagum / paludamentum usw.). Hinzu kommen geographische Besonderheiten der Provinzen, das im Osten favorisierte griechische Vokabular, die uneinheitliche Benennung gleicher Kleidungsstücke in verschiedenen Zusammenhängen (paenula casula / planeta / amphibalos), der Wandel der Mode. Die Beispiele auf der CD entstammen ganz überwiegend dem 4.-6. Jh.
Die Basilika 4, eine dreischiffige Säulenbasilika und vermutlich die Bischofskirche der Stadt, deren antiker Name bisher unbekannt ist, wird seit 1994 freigelegt. Die Grabungen der letzten beiden Jahre erweiterten den Befund im Mittelschiff beträchtlich, da unter der Bettung des Marmorplattenbodens der jüngsten Bauphase - die wohl in justinianischer Zeit anzusetzen ist - das relativ gut erhaltene Bodenmosaik einer älteren Phase angetroffen wurde. Das Mittelfeld vor dem Zugang zum Presbyterium nimmt ein Oktogonrapport mit Vögeln ein, nach Norden schließen kleinere Felder mit geometrischen Motiven (z.B. ein Schuppen- und ein Schachbrettmuster) an. Interessanterweise wurde dieser Boden aber nicht im ganzen Mittelschiff verlegt, sondern im südlichen Teil beließ man einen älteren, rein geometrisch dekorierten Mosaikboden, auf dem der zweiläufige Ambo aufsaß. Da auch im nördlichen und südlichen Seitenschiff sowie unter dem Presbyterium nachgewiesen, kann dieser geometrische Boden dem Gründungsbau aus dem beginnenden 5.Jh. zugeordnet werden.
Zur Schrankenanlage des Presbyteriums gehören vermutlich die Reste von 8 Platten aus lokalem Marmor, die aus über 100 kleinen Fragmenten zusammengefügt werden konnten. In einfachem Rahmen zeigen sie figürliche Dekoration, wobei bisher nur zwei Mahlszenen sicher identifiziert werden konnten.
Das Referat ist eine Art 'Nachtrag' zu der methodisch im Grunde noch immer unüberholten Studie von Joachim Jeremias: Golgatha. Angelos.B 1, Leipzig 1926, und eine methodische Korrektur einiger Beiträge des Sammelbandes von Beate Ego u.a. (Hrsg.): Gemeinde ohne Tempel / Community without Temple, Tübingen 1999.
Intention des Referats war, die 'Auswanderung' der Tempel-Idee vom herodianischen ("salomonischen") Tempelberg zum Areal der Grabeskirche (monumental faßbar seit konstantinischer Zeit) zu verdeutlichen. Die Evangelien 'verkörpern' in unterschiedlichen Realisierungen den 'Neuen Tempel' in Jesus Christus und Seinem Auferstehungsleib, der nun weider (symbolisch verstanden) eine 'Kollektiv-Person' ist, weil er das in Jesus Christus auferstandene 'neue Gottesvolk' verkörpert (cf. Röm 6,1-11, bes. v4f.). Eine besondere Rolle spielt hierbei das Johannes-Evangelium, dessen durchgängiges Thema die 'Errichtung des Neuen Tempels (d.h.: die Neuschöpfung) in Jesus Christus' ist (cf. Joh 1; 2 und 19,30).
Es ist selbstverständlich, daß der 'Neue Tempel' für frommes Pilger-Begehr seit der Lizensierung und kaiserlichen Förderung des Christentums dort 'verobjektiviert' (materialisiert) werden muß, wo der 'Neubau' stattfand: Am Ort der Kreuzigung und der Grablegung Jesu, der zugleich der Ort der Auferstehung ist (15 Doppelschritte von hier nach dort: so der Archidiakon Theodosius zwischen 518 und 530 nC).
Der mittlerweile relativ gut erforschten spätantik-frühbyzantinischen Wohnarchitektur Syriens und Palästinas stehen die bislang kaum untersuchten Wohnbauten Kleinasiens gegenüber. Ihr Erhaltungszustand ist besonders in der Region um Seleukeia am Kalykadnos außergewöhnlich gut und erlaubt Aussagen über die differenzierten Wohnformen vor allem innerhalb der ländlichen Siedlungen, die die landwirtschaftlichen Ressourcen für die Versorgung der Küstenstädte dieser Region bereitstellen.
Die Häuser können nach bautechnischen, stilistischen, historischen Kriterien und teilweise aufgrund der Analyse diagnostischer Scherben im Mörtel in spätantik-frühbyzantinische Zeit datiert werden. Ausgehend von den steingerechten Bauaufnahmen lassen sich alle Häuser zeichnerisch rekonstruieren und vermitteln dadurch ein anschauliches Bild von der profanen Privatarchitektur. Es lassen sich verschiedene Haustypen feststellen, ihnen gemeinsam ist aber immer als feste Komponente ein von einem oder zwei Gurtbögen gegliederter zwei- oder dreiteiliger Raum.
Die bautechnischen Untersuchungen ergeben ein differenziertes Bild der handwerklichen Fertigkeiten der Bautrupps und zeigen darüber hinaus den engen Zusammenhang zwischen Haus- und Sakralarchitektur, der sich zudem in der übereinstimmenden Raumform von Wohnbauten und den Apsisnebenräumen der kilikischen und isaurischen Kirchen feststellen läßt.
In den Hauptzügen reihen sich die Wohnformen in die Bautradition Syriens und Palästinas und damit allgemein in levantinische Traditionen ein, jedoch führen einzelne Elemente von dieser Tradition fort. So lassen sich den Portiken, die feste Bestandteile des Grundtypus nordsyrischer Häuser sind, in der untersuchten Region Vorbauten mit Bogenöffnung gegenüberstellen, deren Funktion jedoch derjenigen der Portiken entspricht.
Zwei Friesbrettfragmente aus Ägypten in Berlin (MSB) und Athen (Benaki-Museum) gehören vermutlich zu einem Stück. Die dargestellten Figuren ergänzen sich zu einer Apostelhuldigung, zu der es Parallelen auf drei weiteren ägyptischen Holzschnitzereien gibt.
Der Text ist publiziert in: HAIRESIS. Festschrift für Karl Hoheisel = Jahrbuch für Antike und Christentum Erg.-Bd. 34 (2002) 220/5. Leider wurden beim Druck die Abbildungsunterschriften der Taf. 6c und 7b vertauscht.
Das Thema betrifft Fragen der Kontinuität und der Weitergabe von Traditionen am Ausgang der Karolingischen Epoche, kontroverse Aspekte der Chronologie bei einem Hauptwerk der ottonischen Monumentalmalerei und nicht zuletzt Fragen nach der Verfügbarkeit mittelbyzantinischer Elemente in der westlichen Kunst des 10. Jahrhunderts.
Quellenbelege über die Tätigkeit von Reichenauer Wandmalern sind in St. Gallen und aus dem Bodenseeraum sowohl für das mittlere 9. wie für das ausgehende 10. Jahrhundert bekannt, doch nur zwei Bauten haben Reste ihrer ottonischen Ausmalung bis heute bewahrt, die Georgskirche von Oberzell und die Sylvesterkapelle von Goldbach. Da beide Kirchen bereits in karolingischer Zeit entstanden sind, hält die Architektur grundsätzlich in beiden Fällen nahezu ein ganzes Jahrhundert für eine kunsthistorische Eingrenzung des Entstehungszeitraums der Wandbilder bereit, was gelegentlich Anlass für eine Frühdatierung in spätkarolingische Zeit bot, zuletzt 1999 durch Koichi Koshi. Zwar kann man heute wieder von einem weit gehenden Konsens für eine Datierung in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts ausgehen, doch blieben Fragen nach einer genaueren Eingrenzung wie nach dem Verhältnis zu den Werken der Buchmalerei nicht hinreichend gelöst.
Vier erhaltene Malereikomplexe sind bei der Datierungsfrage zu unterscheiden: Eine partielle, auf die Ostwand beschränkte Ausmalung der Krypta der Georgskirche (Exner, Zs. für Kunstgesch. 1995), die bekannte, offenbar vollflächige Fassung des Langhauses mit dem christologischen Zyklus im Zentrum, die zweite Gestaltung der Außenfassade der Westapsis mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts (Mitte 11. Jh.) und schließlich die zweite Malereiphase der Goldbacher Sylvesterkapelle.
Dem technologischen Befund zufolge setzt die Ausmalung der Georgskirche eine von der bauzeitlichen Gerüststellung unabhängige Neueinrüstung in längerem zeitlichen Abstand zur ursprüngliche Gestaltung des Kirchenraums voraus (Dörthe Jakobs, 1999. Zunächst muß man sich wohl den Charakter stark geglättetes und fast weißer Putzoberflächen vorstellen. Es spricht vieles dafür, den Umbau der Westpartie mt der großen, dendrochronologisch für das 2. Viertel des 10. Jh. gesicherten Eingangskonche bei einer Neueinrüstung vorauszusetzen und daraus eine Datierung des Ausmalung in die 2. Hälfte des 10. Jh. abzuleiten.
Dies lässt sich angesichts der ikonographischen Gemeinsamkeiten mit dem Münchner Evangeliar Otto III. weiter eingrenzen, da die Anbindung an die Liuthargruppe die Verfügbarkeit neuer, zusätzlicher Bildquellen mittelbyzantinischer Provenienz indiziert, die den älteren Handschriftengruppen der ottonischen Reichenau offenbar noch nicht zur Verfügung standen.
Nicht ganz eindeutig ist das Verhältnis der beiden Wandmalereizyklen in Oberzell und Goldbach, wo man vielleicht mit dem Fortwirken älterer Werkstatt-Traditionen rechnen muss, die sich einer streng linearen Beschreibung der Stilentwicklung entziehen. Und ähnlich uneindeutig sind wohl auch die komplexen Verflechtungen zwischen den Bilderzyklen von Goldbach und Oberzell auf der einen und den Miniaturen der Liuthargruppe auf der anderen Seite zu bewerten. So mag die Vorstellung von sich gegenseitig befruchtenden, die Vielgestaltigkeit des aus beiden Gattungen gespeisten Vorlagenmaterials immer wieder neu modifizierenden Werkstätten, die in den letzten beiden Jahrzehnten des 10. Jh. nebeneinander tätig waren, den hier nur angerissenen Phänomenen am ehesten gerecht werden.
(Eine vollständige Version dieses Textes mit den zugehörigen Nachweisen erscheint in dem Band: "Tradition und Neubeginn. Kunst und geistiges Leben zur Zeit der frühen Ottonen", Symposion Magdeburg 2001, im Druck).
Ausgehend von den politischen und theologischen Spaltungen und Enwicklungen des Christentums beschäftigen sich die Christliche und die Byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte üblicherweise mit den Entwicklungen auf dem Gebiet des ehemaligen römischen Reiches. Dadurch ist der parallele Aufstieg des Christentums im arsakidischen Reich und seine Entwicklung zur Zeit der Sasaniden und im frühen Islam weitgehend dem Blick entzogen geblieben. Findet das Ostchristentum Erwähnung, so zumeist im Hinblick auf die Verfolgungen, denen christliche Minoritäten in zoroastrischen oder muslimischen Umgebungen ausgesetzt gewesen sind. Noch in neuesten Darstellungen werden insbesondere die Sasanidenherrscher als Förderer des Zoroastrismus und Verfolger christlicher Gemeinden beschrieben.
Der erste Teil des Vortrages versuchte die Geschichte des Christentums im Sasanidenreich nachzuzeichnen. Gestützt auf S. Brock (1982) und Ph. Gignoux (1984) wurde die Grundannahme des Konfliktes zwischen Christen einerseits und den weltlichen sowie geistlichen Hierarchien des Staates andererseits hinterfragt. So ist weder die Bindung der Sasaniden an den Zoroastrismus so intensiv wie allgemein angenommen, noch wurden Christen generell in ihrer Religionsausübung behindert. Außer im Zusammenhang mit konkreten militärisch-politischen Konflikten mit dem römischen Reich, bei denen die Loyalität der Christen nicht zuletzt aufgrund römischer Propaganda als zweifelhaft galt, wurden Christen im Sasanidenreich staatlicherseits nicht verfolgt. Martyrien nach dem frühen 5. Jh. sind als Einzelfälle zu betrachten, die individuelle Gründe haben. Im Gegenteil erfuhren Christen, nachdem sich die Bischöfe 410 auf Einladung des Sasanidenherrschers Yazdegird I. auf dem Konzil in Seleukia/Ktesiphon als Kirche im Sasanidenreich formiert hatten, eine gewisse Förderung von höchster Stelle. Zum Zeitpunkt der muslimischen Eroberung des Sasanidenreiches war der weitaus größte Teil der Bevölkerung Mesopotamiens und bedeutende Teile des Hofstaates christlich. Bischofssitze finden sich noch in den östlichsten Provinzen des Reiches.
Stärker noch als die Geschichte der Ostkirche blieben die archäologischen Zeugnisse für Christen östlich von Syrien bislang weitgehend unbekannt. Der zweite Teil des Vortrages stellte diese Zeugnisse von Kirchen- und Wohnbauten, über Gräber, bis zu Gegenständen des täglichen Gebrauchs wie Siegel und Keramik zusammen. Angesichts der langjährigen, eklatanten Vernachlässigung des Themas, wie der archäologischen Forschung zum Sasanidenreich generell, erscheint der Ertrag beträchtlich, wenngleich er der philologischen Erforschung weit hinterherhinkt. Es wurde deutlich, daß die Ostkirchen in der Sasanidenzeit eine eigenständige Kirchenarchitektur herausbildeten, Christen auf viele, regional übliche Arten bestatteten, und ihre Gräber wie Siegel mit Kreuzen kennzeichneten. Weitere Forschungen, insbesondere Feldforschungen im Nordiraq, wo uns schriftliche Quellen hunderte christlicher Kirchen und Klöster nennen, werden hoffentlich in der Zukunft unseren Blick auf die Geschichte des Christentums in seiner Gesamtheit öffnen helfen.
Zahlreiche Elfenbeinreliefs der karolingischen Epoche gelten als "Kopien" spätantiker Schnitzwerke. Es war jedoch bisher kein Beispiel bekannt, an dem sich das Verhältnis von Vorbild und Abbild eindeutig bestimmen ließ. Der erhaltene Bestand dokumentiert vielmehr, daß in karolingischer Zeit zahlreiche ältere Reliefs unter Negation der ursprünglichen Funktion als Rohmaterial wiederverwendet wurden. Der ältere Reliefschmuck wurde meist eradiert und vornehmlich die glatten Rückseiten neu bearbeitet. Die Relieftafeln der berühmten Einbanddeckel des Lorscher Evangeliars, die als Werke der sog. Hofschule Karls des Großen gelten und um 810 datiert werden, bieten das bisher einzige, konkrete Beispiel der unmittelbaren Wiedereinsetzung eines spätantiken Reliefs in karolingischer Zeit. Nach Korrektur einer Beschädigung bestimmte der sekundär verwendete obere Reliefstreifen der Londoner Tafel Layout und Ausmaß des neugeschaffenen Buchdeckels. Zudem bedingte der Einsatz des Alten in das Neue die Nachbildung dieses älteren Reliefs für den zweiten Deckel, womit das bisher einzige konkrete Beispiel nachgewiesen ist, an dem das Verhältnis einer "Kopie" zum Vorbild unmittelbar ablesbar ist. Mit der Aufdeckung von "Kopie" und Vorbild an diesem prominenten Werk der karo-lingischen Kunstproduktion sind jetzt Kriterien erarbeitet, die erlauben, das Phänomen karolingischer Kopien auf einer solideren Basis zu untersuchen. Mit Blick auf die zahlreichen Hypothesen, die ohne einen einzigen realen Beleg für ein solches Kopierverhalten aufgestellt wurden, ist nun ein erster konkreter Nachweis beigebracht, der zukünftiger Forschung als Paradigma dienen kann. Das Kopienwesen, ein Eckpfeiler der sog. karolingischen Renaissance im Bereich der bildenden Kunst, ist auf dieser Basis neu zu untersuchen. Der Vortrag sollte die Problematik verdeutlichen und zugleich einen ersten Versuch unternehmen, die Reflexionen über die Objekte wieder an die Fakten zurückzubinden. (Eine erweiterte schriftliche Fassung des Vortrages wird in Boreas erscheinen).
Anders als man glaubte, läßt sich das spätantike Grab des hl. Nikolaus nicht in einem "Heiligensarkophag" dingfest machen. Deshalb stellt sich die Frage erneut, wo in seinem Martyrion, der Nikolauskirche extra muros der lykischen Metropole Myra, seine Reliquien ursprünglich deponiert waren. Im Mittelalter diente diesem Zweck - anders als zuletzt angenommen - wohl eine spätantike Kapelle im Südosten der Kirche. Daß das auch ihre ursprüngliche, spätantike Funktion war, ist bislang nicht stichhaltig begründet und verschiedentlich bestritten worden. Dabei blieb bisher unberücksichtigt, daß ähnlich der Nikolauskirche auch zahlreiche weitere spätantike lykische Kirchen eine Kapelle aufweisen.
Unabhängig von ihren unterschiedlichen architektonischen Formen stimmen die Kapellen - mit begründeten Ausnahmen - darin überein, daß sie vom östlichen Ende eines Seitenschiffs aus durch einen überbogten Zugang zu betreten waren. Andere Nebenräumen spätantiker lykischer Kirchen, Baptisterien, Sakristeien und Mausoleen, lassen hingegen keine derartige Regelmäßigkeit erkennen. Folglich ist der Grund für die Übereinstimmung der Kapellen wohl in einer anderen Zweckbestimmung zu suchen. Anhand einer schriftlichen Quelle lassen sich zwei und infolgedessen die ganze Gruppe mit einiger Wahrscheinlichkeit als Reliquienkapellen identifizieren. Diese Funktion ist auch in Regionen des Nahen Ostens mit O-Lage und überbogtem Zugang aus dem Seitenschiff verbunden, die lykischen Reliquienkapellen daher möglicherweise von nahöstlichen Vorbildern inspiriert.
Die südöstliche Kapelle der Nikolauskirche nimmt jedoch eine Sonderstellung ein, weil sie von drei anstatt wie üblich nur von einer Seite zu betreten ist und von weiteren Nebenräumen umgeben war. Das gilt in vergleichbarer Weise auch für die NO-Kapelle der Basilika A im syrischen Resafa, wo die Reliquien des hl. Sergios, des bedeutendsten Heiligen jener Region, deponiert waren. Dort ist das überzeugend mit dem großen Pilgerandrang in Zusammenhang gebracht worden. Diese Überlegung läßt sich auf das Martyrion des hl. Nikolaus, des berühmtesten lykischen Heiligen, übertragen. Seine südöstliche Kapelle war dank ihrer verschiedenen Zugänge und Nebenräume besonders dazu geeignet, Pilgerströme zu kanalisieren und dürfte als Reliquienkapelle gedient haben.
Eine Art Bestandsaufnahme vor Erscheinen der Publikationen der TIB (Hellenkemper / Hild) und über den Kirchenbau in Zentrallykien (Grossmann / Severin). – Blütezeit bis 1. H. 7. Jh., dann Rückgang des Handels durch Perser- und Araberinvasionen, ab Mitte 7. Jh. Zerstörungen in den Küstenregionen Lykiens. – Die jüngere Erforschung setzt in den 60er mit den Surveys von Harrison ein. Neben Grabungen und Untersuchungen in antiken Städten (Xanthos / Patara / Aperlai / Myra / Arykanda / Limyra / Phaselis) werden in jüngster Zeit vor allem Geländesurveys durchgeführt (Ölüdeniz –Region / Kyaneai / Teimioussa, Antiphellos / Bonda, Istlada) . – Wichtige Quellen topographischer Forschung sind das "Wegweiser-Monument" in Patara (45 n.Chr.) und die Vita Nicolai Sionitae (nach 564). – Städte werden in der Spätantike offensichtlich auch ohne Bedrohung ummauert (Andriake / Myra / Arif / Limyra). – Noch unerforscht sind spätantike Bäder (Andriake / Olympos / Limyra), Wohnbauten (Alakilise / Aperlai / Kekova) sowie Episkopia (Limyra / Phaselis). – Nur wenige Kirchenbauten sind monographisch veröffentlicht. An keinem sind sicher Emporen nachweisbar. Die dreischiffige Basilika mit Halbrundapsis ist der Normaltypus. Die dreiseitig ummantelte Apsis geht vermutlich – über die Nikolaoskirche in Myra vermittelt – auf Konstantinopel zurück, das dreiteilige Sanktuarium in ostlykischen Kirchen auf Einfluss aus Pamphylien. Der trikonchale O-Abschluss ist wohl auf Klosterkirchen beschränkt, seine Herkunft ungewiss. Mehrfach kommen Kirchen mit Querhaus vor in unterschiedlicher Ausgestaltung. – Nebeneinander findet sich Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, solches mit Ziegeldurchschuss auch in Bögen und Gewölben – eine lykische Besonderheit – und mörtelloses Großquaderwerk (zentrallykische Klosterkirchen). – Bauskulptur kommt aus lokalen Werkstätten, im 6. Jh. mit sehr reichem Dekor.
Untersuchung einer leicht lädierten blattförmigen Buntwirkerei (15,0:20,5) in Wolle und Leinen (FZ 10:56) im Museum im Andreasstift der Stadt Worms (Inv. T 534) mit singulärer Darstellung eines in antiker Formensprache naturnah elegant stilisierten Blütenstrauches aus dem späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert. Das Stück, ehemals Slg. Robert Forrer, stammt aus Achmim-Panopolis.
Der Strauch entspringt einem in zweizeiliger Verschlingung stilisierten Wurzelwerk, dessen Windung die beiden aufsteigenden Äste weiterführen. In reicher Knospenfülle umschliesst der Busch eine rosettenförmige, mittig gestellte rote Kreuzblüte. Ein in Grösse, Farbstellung und Fadenzahl übereinstimmendes Gegenstück befindet sich in der Slg. Bouvier, Gruyères (A.Stauffer, Textiles ... Bouvier, Fribourg 1991, Kat. 49 ). Die Fehlstellen beider Wiedergaben ergänzen sich vice versa. Beide, nur als Ausschnitt überkommene Teile könnten als Seitendekoration eines längsrechteckigen Leinentuches gedient haben.
Untersuchung unter zwei Aspekten:
1. Botanische Bestimmung
Der Blütenbusch ist als Rosenstrauch (Rosacea) zu identifizieren. Er gehört zu der in Grabfunden des römischen Ägypten vielfach belegten und demnach hier gängigen Art der Rosa richardii Rhed. oder Rosa sancta Rich. Bezeichnend sind der bäumchenförmige Wuchs, die nicht bedornten langen dunkelgrünen Zweige, kleine herzförmige dunkelgrüne Blättchen, kleine rote Blütenknospen und ungefüllte fünfblättrige Blüten. Dieselben Merkmale zeigt das Buschwerk in Worms und in der Slg. Bouvier. Dem widerspricht scheinbar die zentral gestellte, von den Knospen umschlossene Rosenblüte: Sie hat nur vier anstatt der den (ungefüllten) Rosaceen eigenen fünf Blütenblätter. Andererseits gehört die Blüte zum dekorativen Typus der Grossen roten Kreuzblüte mit herzförmigen Blütenblättern, hellem, vielfach gelb-rosafarbenem Blütenboden und bezeichnend vorstehenden, zumeist gefiederten grünen Sepalen. Als Zeichen glückhafter Dies- und Jenseitserwartung begegnet sie, in der Regel im Verbund mit roten und rot-weissen Knospen, zahllos und in zunehmender Abstraktion seit etwa dem 1. Jahrhundert bis weit in die byzantinische und islamische Periode vor allem als Streumuster auf Mosaiken, in der Wandmalerei und der textilen Dekoration. Daneben ist der - wie hier - präzise ausgeführte Prototypus auch auf römisch-kaiserzeitlichen Denkmälern zu belegen, deren real gestaltete, mit naturgetreuen Knospen bestückte Rosenstöcke vierblättrige, also botanisch unkorrekte Blüten tragen wie die Ballustren auf den Steinpfeilern aus dem Hateriergrab, wohl des frühen 2. Jahrhunderts, im Vatikan. Folglich dürfte die vorliegende Grosse rote Kreuzblüte und damit wohl die gesamte, in ihrer Betimmung viel diskutierte Mustergruppe, als ideal vereinfachte und verkürzte Rosenblüte zu verstehen sein. Bei der vorliegenden Blüte vermögen überdies die ihr an Stielen zuwachsenden Knospen denkbare Zweifel zu zerstreuen.
2. Sinngehalt.
Die im römischen Ägypten auf weiten Feldern für den Export nach Rom angebaute, vielfältig genutzte Rose war wegen ihres feinen, faszinierend empfundenen Wohlgeruches die in der Antike am höchsten geschätzte, der Aphrodite und der Venus attribuierte Blütenpflanze. Sie galt als Inbegriff von Schönheit, Glück und Harmonie, von Lebensfülle, luxuriöser Pracht und Prunk. Zugleich galt ihr rasches Dahinwelken mit bald abfallenden Blütenblättern als Mahnung an den plötzlichen Wandel des Geschicks und an die Flüchtigkeit des Lebens. In diesem Bezug ist auch die übelabwehrende Verflechtung von Wurzelwerk und Geäst des vorliegenden Rosenstrauches zu verstehen: Sie ist anzuschliessen dem ebenso verschlungenen, teils rot hervorgehobenen Stamm des jeweils von Korybanten der Kybele umtanzten und ihrer Macht zugeordneten Lebensbaumes auf zwei Purpurrundeli in Tell Aviv und in Mainz. Somit war dem bäumchenförmigen Rosenstock auch die Heilskraft des Lebensbaumes impliziert. In den Lebensbaumbereich fällt auch die blattförmige Einbindung des Strauches: Ähnlich den analog gestalteten Wirkereien steht das Blatt zeichenhaft für den gesamten Baum als dem Indikator aller menschlichen Existenz.
Somit ist der vorliegende Rosenstrauch über seinen Dekorationswert hinaus als Bildchiffre für beständiges, durch seine unzählig spriessenden Knospen sicher verbürgtes dies- und jenseitige Wohlergehen zu verstehen. Vor dessen jähem Wechsel sollte zudem die der Kraft des Lebensbaumes in komplexer Weise eingebundene magisch-schützende Verflechtung von Ast- und Wurzelwerk schirmen und bewahren.
Zuletzt veröffentlichte 1994 Ernst Dassmann Grundlagen der RAC-Planung ( http://217.160.73.214/doelger/index.php?scr=institut&i_scr=hist ). Das älteste Stichwortverzeichnis von 1949 enthielt 2.000, das zweite von 1960 3.000 Stich- und 4.000 Verweiswörter. Zur Zeit ist Band 19 des RAC abgeschlossen (nächster Artikel: Katakombe) und es sind 1.065 Stichwörter + 41 Supplementstichwörter bearbeitet. Nach der von der Akademie der Wissenschaften NRW angeregten Reform wurde im Frühjahr 2001 mit der Sichtung aller Unterlagen zu Stichwörtern, Umfängen und ähnlichen Daten durch die Redaktion begonnen. Seit 1960 war die Planung zwar auf verbleibende 3.200 angewachsen, diese Zahl konnte aber durch konsequentes Ermitteln synonymer Bedeutungen und Zusammengehörigkeiten auf 1.800 noch zu erstellende Artikel von "K bis Z" reduziert werden.
Die vergebenen Artikel der übrigen Lemmata mit "K" lassen die Beendigung dieses Buchstabens etwa mit Band 21 erwarten. Zu planen sind also vor allem die Inhalte und Umfänge der Buchstaben "L" bis "Z", wobei als nächste Schnittstelle das von der Akademie der Wissenschaften NRW vorgegebene Jahr 2016 anvisiert wird. Legte man 40 Bände zugrunde, hätte sich eine Spaltenzahl pro Artikel von 10 ergeben, weshalb eine weitere Reduktion der Stichwörter auf 1.000 notwendig erschien. Die Redaktion hat die geplanten 1.800 Stichwörter und 1.400 Verweiswörter in fächerübergreifende Sachgruppen aufgeteilt, die zur Zeit von den Herausgebern auf weitere Zusammengehörigkeiten und Streichungsmöglichkeiten sowie denkbare Artikelumfänge hin bearbeitet werden.
Dieser Teil der Planung wird im Sommer 2002 abgeschlossen und für die weitere Bearbeitung von RAC-Artikeln folgenreich sein:
Die Einhaltung geplanter Umfänge wird verpflichtend. Der Aufwand für Kürzungen zu lang eingereichter Artikel wird vom Autor zu tragen sein, da sich die Arbeit der Redaktion bei gleichbleibendem Personal und Zunahme der Anzahl von in gleicher Zeit wie bisher zu bearbeitenden Lemmata vermehrt.
Beleglisten werden nicht mehr in so großer Zahl möglich sein, es muß auf zusammenfassende Literatur zurückgegriffen werden. Die Literaturangaben müssen stärker gewichtet werden. Abbildungen werden noch mehr als bisher ein Ausnahmefall bleiben, da sie in der Umfangsplanung berücksichtigt werden müssen.
Gleichzeitig wird den Autoren die Möglichkeit nahegelegt, das JbAC als Archiv des RAC zu nutzen, um Sachverhalte in Aufsatzform zu ergänzen, die in den künftigen Umfängen des RAC nicht mehr dem Forschungsaufwand adäquat dargelegt werden können.
Bis die Reform des RAC greift, werden vergebene Artikel mit den vertraglich zugestandenen Umfängen und dem Buchstaben "K" bearbeitet, der noch die Bände 20 und 21 füllen wird, das Supplement schließt zunächst mit Band 2 und dem Ende von "C" ab. Sichtbar wird die Reform und Straffung des RAC frühestens ab dem Jahr 2004. Danach werden sich nur noch die Buchstaben "P" und "S" über mehrere Bände erstrecken.
Die vom Inschriftencorpus ICUR als "Region R" bezeichnete, ursprünglich separate Friedhofsanlage in der Domitilla-Katakombe bietet ein ungewöhnlich reiches Material für die Rekonstruktion einer Friedhofsplanung und -ausgestaltung im 2. Viertel des 4. Jahrhunderts mittels einer "sepulkralsoziologischen Strukturanalyse". Ausgehend von einem separaten, heute verschütteten Zugang wurde in dieser Region ein hinsichtlich seiner Grabtypen systematisch geplanter Komplex in einheitlicher Ausführung geschaffen. Cubicula in zwei strikt unterschiedenen Ausstattungsstufen, eingangsnah mit Kreuzgewölbe über Säulen, eingangsferner schlicht tonnengewölbt, begleiten zumeist paarweise ein rechwinklig organisiertes Gangnetz. Die Planung schließt den gleichförmig weißen Verputz aller cubicula sowie auch der Arkosolanlagen in der durchgängig malereilosen Region mit ein. Die Untersuchung dieses Verputzes, im Zusammenspiel mit der Analyse vorbereiteter, aber nie oder von der Planung abweichend genutzter Grabplätze, läßt heute noch erkennen, daß die Friedhofsorganisation und -einrichtung im vorhinein, vor den eigentlichen Belegungen erfolgte. Trotz der in weiten Teilen noch nachweisbaren einheitlichen Planung wurden die einzelnen Wände in den cubicula häufig durch davon abweichende Grabtypen genutzt. Kontrastierende Belegungsdichte und -konzeptionen einzelner Wände innerhalb eines cubiculum legen überdies nahe, daß diese Wände separat verkauft wurden, die generelle Sicht des cubiculum als Familiengrabstätte also hier zu revidieren ist. Die Wahl der Grabform – loculus oder arcosolium – war angesichts der Häufung letzterer gleichermaßen inner- wie außerhalb der cubicula – von größerer Bedeutung als die Wahl des Grabortes. Für die Benennung der in Gängen wie Kammern gleichermaßen stereotypen, immer durch einen weißen Putz ausgezeichneten Wandabschnitte mit Arkosol und zusätzlichen loculi bietet sich der antik überlieferte Begriff pareticulum an.
Der Codex Vitr. 26-2 der Nationalbibliothek in Madrid enthält die Synopsis Historion des Ioannes Skylitzes und ist mit 574 Miniaturen illustriert. Es handelt sich um die einzige illustrierte Chronik, die aus byzantinischer Zeit erhalten blieb. Das Zusammentreffen von byzantinischen, westlichen und arabischen Elementen in den Miniaturen verleiht der Handschrift eine besondere Stellung unter den mittelalterlichen Büchern und eine große Bedeutung in kultureller Hinsicht.
Die Synopsis Historion, geschrieben in den 70er Jahren des 11. Jhs., befaßt sich mit der Geschichte der byzantinischen Kaiser zwischen 811 und 1057. Das Werk ist kompilatorischen Charakters. Skylitzes benutzte als Quellen Ioseph Genesios, Theophanes Continuatus, Leon Diakonos, Symeon Logothetes, Theodoros von Sebasteia und andere unbekannte Quellen. Der Skylitzes von Madrid ist eine Kopie, die in Sizilien in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. angefertigt wurde. Der einspaltige Text wird von 1-3 Miniaturen unterbrochen, die in der Regel die Textstelle unmittelbar vor oder nach der Miniatur illustrieren.Aus der eingehenden Untersuchung des inhaltlichen Verhältnisses zwischen Text und Bild ergibt sich, daß einige Miniaturen sich vom Wortlaut des Textes entfernen und den Angaben anderer Chronisten entsprechen, wie z.B. des Theophanes Continuatus, Leon Diakonos oder Michael Psellos. Es handelt sich dabei um Quellen, die Skylitzes benutzte, um seine eigene Chronik zu verfassen. Einige Miniaturen basieren auf Theophanes und Leon Grammatikos, obwohl Skylitzes diese Quellen nicht direkt benutzte. Die interessanteste Beobachtung ist, daß zwei der Illustrationen Textstellen der Epitome Historion des Ioannes Zonaras zu illustrieren scheinen. Da dieses Werk nach 1118 niedergeschrieben wurde, bildet dieses Datum einen terminus post quem für die Illustrierung des Skylitzes Matritensis sowie für die seines Vorbildes.
Das Bild ist das klassische Medium zur Vermittlung von Lehrinhalten in den Hochschulfächern Kunstgeschichte und Archäologie. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmb+f) seit April 2001 geförderte, bundesweite Verbundprojekt prometheus entwickelt eine internetbasierte Wissensplattform, die zum einen über einen Datenbroker verteilte digitale Bildarchive zusammenführt und zum anderen didaktische Module für Forschung und Lehre anbieten, die Möglichkeiten zum Selbststudium verbessern sowie die Medienkompetenz bei Lehrenden und Studierenden fördern soll. Eine Besonderheit des Projekts ist sein interdisziplinärer Charakter: unter der Leitung des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln führt prometheus die jeweils spezifischen Kompetenzen von Fachwissenschaftlern (Kunsthistorikern, Archäologen), Informatikern, Mediendidaktikern und Designern zusammen.
prometheus versteht sich als eine Antwort auf die heutige mediale Herausforderung, mit dem Anspruch, zum einen anwenderorientierte Lehr- und Lerneinheiten zur Verfügung zu stellen, die die spezifischen Eigenschaften des Mediums Internet nutzen, und zum anderen ein Feld zu ebnen, auf dem systematische Fragen des medialen Wandels erörtert und neue Antworten gefunden werden können.
Weitere Informationen im Internet unter: www.prometheus-bildarchiv.de
Kontakt: Ute Verstegen M.A., Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln, Tel.: 0221-470-4476
Die Handschrift 0.2.36 der Bibliothek des Trinity College / Cambridge (Entstehungszeit zwischen 1566/67 und 1588) enthält einen Traktat, der die ehemals in der Pammakaristoskirche in Konstantinopel befindlichen Grabstätten mit ihrem Dekor sowie ihre Lage innerhalb der Kirche beschreibt.
Der byzantinische Grabdekor läßt sich anhand neuerer Überlegungen in verschiedene Bildtypen einordnen und diese können zeitlich eingegrenzt werden. In Zusammenhang mit der Pammakaristoskirche sind folgende Bildtypen von Bedeutung:
1) Bildtyp B – Verstorbene zu Seiten einer Zentralfigur: Der Bildtyp wird erstmals faßbar in einem Dekor des Arkosoliums im Esonarthex der Panagia Krina / Chios, das nach seiner Inschrift in das Jahr 1197 zu datieren ist.
2) Bildtyp E, das "repräsentative Porträt". Dieses weist als wesentliche Elemente auf, daß eine, aber vor allem auch mehrere Personen frontal und ganzfigurig dargestellt werden. Im oberen Bereich des Bildfeldes oder im Zenit der Laibung eines Arkosoliums befindet sich eine in der Größe reduzierte Christus- bzw. Marienfigur, in der Regel mit Heiligen bzw. Engeln zu ihrer Seite. Die ikonographische Untersuchung dieses Typus hat ergeben, daß er unter den erhaltenen Grabdekoren erst seit paläologischer Zeit nachweisbar ist.
3) Bildtyp F, das sogenannte Doppelporträt, die Darstellung einer Person sowohl im geistlichen als auch im offiziellen Habit. Der Bildtyp des sogenannten Doppelporträts läßt sich weder unter den erhaltenen Grabdekoren noch in der Stifter- bzw. Imperialikonographie vor dem 14. Jahrhundert belegen.
Die Bildtypen bestehen aus verschiedenen Einzelelementen, die variiert werden können. Zudem können sie auch miteinander kombiniert im Grabbild erscheinen. Die erhaltenen Grabdenkmäler weisen beispielsweise das sogenannte Doppelporträt in Verbindung mit den beiden davor genannten Bildtypen seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf, indem die Laibungen von Arkosolia als Platz für das Bildnis des Verstorbenen im geistlichen Habit dienen, so z.B. Grab D, das Grab des Michael Tornikes, oder auch Grab E, das Grab der Irene Raoulaina Palaiologina in der Chorakirche in Konstantinopel.
Anhand dieser Bildtypen können die Gräber in der Pammakaristoskirche neu lokalisiert werden.
Die Grabstätten der Pammakaristoskirche entsprechen mit ihrem schriftlich überlieferten Dekor durchaus zeitgemäßen Traditionen und können, zumindest ikonographisch gesehen, in einer Reihe mit den Denkmälern Konstantinopels und anderer Regionen gesehen werden. Sie spiegeln einen Teil der Bildtypen des byzantinischen Grabdekors wider. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, daß die erhaltenen Grabdekore ein fragmentarisches Bild zeigen. Im Zusammenspiel mit den Denkmälern anderer Gattungen lassen sie sich jedoch ikonographisch und auch zeitlich einordnen.
(Die Ergebnisse werden in der Dissertation von Ursula Weißbrod "Der byzantinische Grabdekor vom 11. bis zum 15. Jahrhundert. Eine ikonographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Gräber in den Höhlenkirchen Kappadokiens" veröffentlicht werden.)
Das dem persischen Märtyrer Jakobus Intercisus geweihte Kloster liegt ca. 2 km westlich von Qara, dem antiken Goaria im Qalamun-Gebirge rund 100 km nördlich von Damaskus. Über die Frühzeit des Klosters im 5. und 6. Jh. wie auch über einen möglichen Verfall nach der arabischen Eroberung im 7. Jh. ist nur wenig bekannt. Das ursprünglich syrisch-melkitische Kloster, das heute dem melkitisch-katholischen Bischof von Hama, Homs und Yabrud unterstellt ist, wird wahrscheinlich im 10. oder 11. Jh. grundlegend restauriert, als das orthodoxe Patriarchat von Antiocheia infolge der byzantinischen Reconquista einen Aufschwung erfährt. Dieser Zeit gehört auch die in lokaler Bauweise aus Lehmziegeln errichtete zweigeschossige Kirche an. 1266 wird die christliche Bevölkerung gezwungen, Qara und das Kloster für längere Zeit zu verlassen. Eine Neubesiedlung erfolgt erst in osmanischer Zeit. Anfang des 20. Jhs. wird das Kloster erneut aufgegeben. Nach einem weitgehenden Verfall wird es seit 1994 wieder hergerichtet, so auch die Kirche, in der die Wandmalereien aufgedeckt wurden.
Seit 1999 förderte das Deutsche Archäologische Institut vier Kampagnen, in deren Verlauf ein internationales Team von deutschen, syrischen und ägyptischen Restauratoren den stark gefährdeten Bestand der Malereifragmente vollständig aufgedeckt, fixiert und weitgehend gereinigt hat. Zusammen mit weiteren Fragementen, die seit 1972 in den Museen von Damaskus und Deir Atiye aufbewahrt werden, bilden die Malereien aus Mar Yakub ein Ensemble, dem für die Kenntnis von der christlichen Wandmalerei im syrisch-libanesischen Raum ein hoher Stellenwert einzuräumen ist. Zwei Malschichten sind zu unterscheiden. Für die erste Malschicht (erste Hälfte des 11. Jhs.) ist ein für die Region bislang einzigartiger Christuszyklus bemerkenswert. Von der zweiten Malschicht (spätes 12. Jh.) kann aus den Fragmenten die Apsiskomposition mit Erzengeln, Propheten und Aposteln zusammengesetzt werden.
Lit.:
Siehe auch http://www.dainst.de/de/pro/qara.html
Das Gebäude der ehemaligen Benediktinerinnenkirche St. Peter auf der Zitadelle (Saint-Pierre-aux-Nonnains) zu Metz stammt in großen Teilen seines Mauerwerks aus der spätrömischen Kaiserzeit. Anhand der archäomagnetischen Untersuchung des Ziegelmaterials und aufgrund historischer Erwägungen ist die Entstehung der ursprünglich stützenlosen aula in das ausgehende 4. Jh. zu datieren; ihre Nichtfertigstellung erklärt sich aus der Abnahme der römischen Präsenz nach 395. Aufgrund einer Neuinterpretation der seit 1897 veröffentlichten Befunde kommt die vorliegende Dissertation zu dem Ergebnis, daß der Bau im 6. Jh. durch den Einbau zweier Podien im östlichen und westlichen Bereich zu einem öffentlichen Versammlungshaus umgewandelt wurde. Eine kirchliche Nutzung in dieser Zeit ist nicht zu belegen.
Das Bauwerk wurde um das Jahr 600 zur Kirche des neugegründeten Frauenkloster St. Peter. Dazu wurden die Podien teilweise wieder erniedrigt. Aus dieser Zeit stammt der größte Teil der im Gebäude wiedergefundenen Elemente einer mehrteiligen skulptierten Presbyteriumsschranke. Durch den Einzug zweier Stüzenreihen erhielt die Kirche im letzten Drittel des 8. Jh. erstmals einen basilikalen Grund- und Aufriß. Etwa gleichzeitig wurde die Schrankenanlage durch einige neue Elemente ergänzt.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der kunsthistorischer Einordnung und Datierung der Schrankenelemente. Zu ihrer Datierung wurden neben Kirchendekor der frühbyzantinischen Zeit vor allem auch Kleinkunstwerke mit germanischer Tierornamentik im Stil II herangezogen. Zu den im 8. Jahrhundert hinzugefügten Reliefsteinen gehört auch die bekannte Darstellung des segnenden Christus. Anhand von vergleichbaren karolingerzeitlichen Schrankendekoren und Beispielen der Buchmalerei werden sie in die Zeit um 770/780 datiert. Die Schrankenelemente beider Entstehungsphasen wurden möglicherweise von oberitalienischen Bildhauern gefertigt, da einige Bildvorlagen in diesen Raum verweisen. Ein Kunsteinfluß aus dem südostmediterranen Raum liegt nicht vor.
Die gleichnamige Dissertation wurde 2001 im Internet veröffentlicht:
http://hss.ulb.uni-bonn.de:90/ulb_bonn/diss_online/phil_fak/2001/will_madeleine
Seit einem Vierteljahrhundert galten die ephesischen Hanghäuser als Paradebeispiele kaiserzeitlicher und vor allem spätantiker Wohnkultur der östlichen Reichshälfte, denn sie sollten vom 1. bis zum 6. Jh. ununterbrochen genutzt und bis ins späte 5. Jh. hinein kontinuierlich mit Mosaiken und Wandmalerei ausgestattet worden sein. Im besser erhaltenen Hanghaus 2 sollten weit über 40 Räume ihre Ausstattung erst zwischen ca. 380 und 450 erhalten haben, wobei die Datierungen fast ausschließlich aufgrund von Stilvergleichen erfolgte.
Auf der rund 4000 m2 großen Grundfläche der als Hanghaus 2 bezeichneten Insula wurde auf drei Terrassen im 1. Jh.n.Chr. sechs bzw. später 7 Atriumhäuser mit Grundflächen zw. 250 und 600m2 angelegt. Jedes dieser als Wohneinheit 1-7 bezeichneten Häuser erfuhr im Verlauf der Jahrhunderte zahlreiche Umgestaltungen, sei es als interne Anpassung an veränderte Nutzungen oder als Reaktion auf Zerstörungen von außen.
Als 1977 die Wandmalereien und Mosaiken des Hanghauses 2 vorlegt wurden, waren von der ganzen Insula erst die beiden südlichen (=oberen) Wohnterrassen mit den Wohneinheiten 1-5 freigelegt. Die Bauforschung war noch nicht vertieft und das archäologische Fundmaterial noch nicht aufgearbeitet. Aber erst von der unteren und zuletzt freigelegten Wohnterrasse mit den Wohneinheiten 6 und 7 stammte die archäologische, durch ganze Münzserien auf den Böden der Höfe gesicherte Evidenz, daß zumindest sie mit allen Ausstattungen bereits bei einem Erdbeben in gallienischer Zeit zerstört und nie wieder errichtet wurden. Dieser Befund hat umfangreiche Folgen auch für die Datierung der Malereien: Denn das ausführende Atelier der Malereien der unteren Wohnterrasse läßt sich auch in der jeweils obersten Malschicht der Räume der oberen beiden Wohnterrassen nachweisen. So wird evident, daß der große Unterschied im malerischen Duktus zwischen den Ausstattungen innerhalb jeder Wohneinheit ein Qualitätsunterschied zwischen Haupt- und Nebenräumen ist. Das ist auch methodisch interessant, da die bisherigen Datierungen darauf basierten, die mindere Qualität der Nebenräume als künstlerische Dekadenz – und daher spätantik - zu interpretieren.
Das neue Datierungsmodell für das Hanghaus 2 ist umfassend abgesichert durch die Ergebnisse von Bauforschung, Nachgrabungen, die Auswertung von Graffiti und die Bearbeitung des gesamten archäologischen Fundmaterials. Im Rahmen eines vom FWF finanzierten Forschungsprojektes, das am Institut für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beheimatete ist, steht nun die Ausarbeitung auch der früheren Ausstattungsphasen sowie die Bearbeitung der noch unpublizierten Malereien im Mittelpunkt. Anders als im Hanghaus 1, im Odeion-Hanghaus und neuerdings auch in der Paulusgrotte, sind im Hanghaus 2 also keine spätantiken Wandmalereien erhalten.
Eine ausführliche Darstellung der laufenden Forschungsarbeiten zum Hanghaus 2 mit interaktivem Rundgang durch alle Wohneinheiten steht auch im Internet: http://www.oeaw.ac.at/antike/ unter Forschungsprojekte, Hanghaus 2, Wandmalerei; Wohneinheiten, Rundgang.
Eine ausführliche Darstellung der laufenden Forschungsarbeiten zum Hanghaus 2 mit interaktivem Rundgang durch alle Wohneinheiten steht auch im Internet: http://www.oeaw.ac.at/antike/ unter Forschungsprojekte, Hanghaus 2, Wandmalerei; Wohneinheiten, Rundgang.
Ausgewählte Literatur: