Mainz, 20.-22. Mai 2004
Nordwestlich von Üçagiz, dem antiken Teimioussa, steht nahe der Siedlung Muzla in Einzellage ein Kirchenbau, der zwei Phasen aufweist. Der westliche Vorbau dürfte noch aus spätantiker Zeit datieren, während die eigentliche Kirche aus der mittelbyzantinischen Zeit stammt. Der als Narthex genutzte westliche Vorbau ist im Süden an den anstehenden Fels angebaut worden, in dem sich eine Nische befindet. Diese dürfte funeralen Zwecken gedient haben. Die sekundäre Kirche setzt sich aus einem fast quadratischen und überkuppelten Naos sowie einem Bema-Joch mit innen und außen halbrunder Apsis zusammen. Geringe Freskenreste weisen auf die ursprüngliche Ausmalung hin. Kuppelbauten sind in der unmittelbaren Umgebung selten. Zu nennen wären die Kreuzkuppelkirche von Apollonia, Nenealani und Kyaneai (Annex über dem nördlichen Apsisnebenraum der Nekropolen-Basilika). Die Kirche bei Muzla könnte als Grablege und zum Gedenken an eine lokale Persönlichkeit gedient haben.
Hier nur eine Auswahl des Frühchristlichen; umfassend demnächst in der stark erweiterten Neuauflage des 'Schlunk - Hauschild'.
Cercadilla: Palast nw. der Cordobeser Altstadt, um 300. Erstreckung ca. 400 m: 'Aufmarschplatz' zwischen langen Trakten, dann Querriegel mit Zentralpassage und sigmaförmiger Hof vor kurviger Portikus mit radial ausstrahlenden Gebäuden einschl. einer Aula vom Trierer Typ. Wird von einigen als kaiserlich-tetrarchisch (Maximian) angesehen; ablehnend J. Arce.
'Stadtrömische' Sarkophage: G. Koch hält einige Exemplare der 1. H. des 4. Jhs. nunmehr für lokale Arbeiten in Anlehnung an die Produktion Roms. Widerspruch von I. Rodà und J. Dresken-Weiland. - Erneut im Inventar christl. Stücke ein Deckelfragment in Mérida mit Sigmamahl und nun definitiv als Noah gedeutetem Kastensteher.
Schliffglas von Valencia: Fragmente von Kugelabschnittschale, sicher aus Rom, 3. Dr. 4. Jh. Bildgut 'quer' angeordnet, so daß die drei Register sich nur einem Trinkenden sinnvoll darboten: 'über' Bibelszenen das Dominus legem dat mit frappierenden Defekten, diese teils evtl. der Negativ-Bearbeitung der Außenseite geschuldet. Schliffglas aus Clunia: Fragmente, einst zylindrisch (Lampe?), ca. 35 cm hoch. Vor/um 400 vielleicht in Köln gefertigt. Umlaufender Arkadenfries mit wechselnden Motiven, unterhalb Christogramme.
Centcelles: Kolloquiumsband "C. El monumento tardorromano" ist erschienen und reflektiert u. a. die drei prominenten Deutungsangebote für das Kuppelmosaik: kaiserliche (Arbeiter - Korol auf Vorarbeit Schlunk), klerikale (Arce) oder aristokratische Lesung mit dominus und domina (Warland). Eine Variante der letzteren bei I. Morand, die im Jagdherrn den dominus der Latifundie ebenso erkennt wie in allen vier Hauptpersonen des obersten Registers.
Theodosiusmissorium: Restauriert und 2000 im Kolloquiumsband "El Disco de T." gut publiziert. Die von J. Meischner postulierte Umdatierung auf 421 (Th. II.) durch Arce und W. Raeck inzwischen bündig zurückgewiesen, doch auch die Lesung als Decennaliengabe Th. I. von 388 ist heikel wg. mißlicher Benachteiligung der dann als Seniorkaiser Valentinian II. zu lesenden Figur. Die einfachste Lösung erläutert A. Canto: Punkt über dem X (der wie V begonnen wurde) deutet auf die Quindecennalien 393, als Valentinian II. schon tot war; daher die hist. und ikonogr. zwanglose Identifikation der Nebenkaiser als Arcadius und Honorius.
Carranque (Prov. Toledo): Neu ergraben der theodos. angesetzte N-Komplex der Villa. Ihr Besitzer Maternus war für D. Fernández-Galiano der 388 als Konsul im Osten verstorbene M. Cynegius, der dann bekanntlich nach "Hispanien, wo er sein Haus hatte", überführt wurde. Dazu paßt, daß als dokimenisch bestimmte Schäfte mit Beschriftungen auf Griechisch und Latein (DNT = Dominus noster Theodosius?) freigelegt wurden. Aus Tertrakonchos mit rückwärtigen Strukturen, dreizügigem Längsbau mit Vorhalle und gewölbtem Neun-Kompartimente-Bau bestehend, mag der N-Komplex das Grab des Christen M. aufgenommen haben, doch geht die Wahrnehmung einer "christlichen Basilika", gar der ältesten Hispaniens, zu weit. Reiche Elfenbeinfunde.
Christianisierte Villen: Centcelles, Carranque, Milreu-Estoi (jeweils mit Gewölbemosaik aus Glas- und Goldtesserae versehen; der 'Wasserkult'-Bau von Milreu jüngst durch D. Graen zum Mausoleum umgedeuetet), São Cucufate, Monte da Cegonha, La Cocosa, Guarromán, Las Vegas de Pueblanueva, Saucedo, Villa Fortunatus, Tróia (maritime Siedlung), Torre de Palma. Basiliken mit gegenständigen Apsiden: In Torre de Palma fand S. J. Maloney vor der O-Apsis neun im Boden deponierte Münzen von 335-57. Dies beweist aber nur, daß die Kirche als solche dem 4. Jh. entstammt; ihre Bipolarität mag jünger sein. Die These vom Rekurrieren des hisp. Gegenapsidenschemas auf N-Afrika ist jedoch erledigt, denn das neue Beispiel von Mértola datiert vor 462. Kürzlich kam ein Vertreter des Typs aus dem mittl. 5. Jh. weit nördl. in Mijangos (Prov. Burgos) zutage. Keine Klarheit über funktionale Besonderheit solcher Kirchen, doch häufen sich Beispiele evtl. ähnlich bestimmter Basiliken mit Gegenchor: Diese haben ganz im W des Mittelschiffs ein meist podienartiges Rechteck als zweiten liturgischen Pol. Martyriale Erklärung naheliegend, aber bisher nicht erwiesen. Vorkommen u. a.: El Bovalar, Tarragona / Basilika extra muros, Vallejo de Santillán (Prov. Burgos), Tolmo de Minateda (Prov. Albacete; Kathedrale?), Gerena (Prov. Sevilla; ausnehmend weit im S), auf Mallorca Son Peretó und Son Fadrinet (Baptisterium hier nicht im W, sondern seitlich). Es Cap des Port (Menorca) besaß stattdessen eine Westempore, zudem eine für Hispanien ungewöhnliche Krypta unter dem Altarraum.
Trikonchos: Dieses allochthone Merkmal bietet die Klosterkirche von Dumio bei Braga, wohl importiert durch den fremdländischen Gründer Martin von Braga.
Baptisterien: etliche neue Beispiele.
Urbane Kirchen: Von den teils hochbedeutenden Gotteshäusern (Sevilla, Toledo, Tarragona etc.) bewahren die Stadtbilder nichts mehr, meist liegt selbst die bloße Topographie im dunkeln. Die vernachlässigte spätantike Stadtarchäologie hat aber wachsenden Zuspruch: Córdoba, Mértola, Cartagena, Terrassa und besonders Barcelona, Kathedralbezirk (C. Bonnet, J. Beltrán): Unterirdisch begehbare Grabung. Die frühchristl. Bischofskirche nunmehr unter der gotischen Nachfolgerin erwartet, fluchtend mit dem bekannten Baptisterium. Die diesem schräg angefügte aula-basílica gilt nicht mehr als der Kathedral-, sondern als bischöfl. Repräsentationsraum. Im Winkel komplettierten u. a. eine zweite - mutmaßlich martyriale - Kultstätte und die Residenz des Oberhirten die Gruppe. Valencia, Kathedralbezirk (A. Ribera, M. Rosselló, R. Soriano): Bei der gotischen Seu fand man Strukturen des Forums und eine frühchristl. Nekropole mit Rest einer Hufeisenexedra des 6./7. Jhs. auf röm. Behördenbau; daher die Mutmaßung, genau dort habe einst Vinzenz sein Blutzeugnis abgelegt. Daneben entstand gegen oder nach 500 auch die erste Kathedrale. Von jener sind Partien lokalisiert, dazu ein kreuzförmiger Annex an der SO-Ecke, bisher ältester substantiell bewahrter Gottesdienstbau Hispaniens, gedeutet als Grabkirche für Valencias prominentesten Bischof Justinian (gest. ca. 550/60): Bodengrab in der Vierung; Wandfächer im Westarm wohl zur Bestattung der Nachfolgebischöfe. Liturgisch war der Annex eine eigene Kirche; ein Pendant gab es an der NO-Ecke der Kathedrale. Tarragona, Basilika extra muros (J. López): 1994 entdeckt, bald darauf mit Einkaufsmarkt überbaut. Für Hispanien singuläres Atrium, Gegenchor nach Westen hinausragend, Transept. Mérida, Eulalienkirche extra muros (P. Mateos, L. Caballero): Die zugänglich belassene Grabung unter der hochmittelalterl. Struktur zeigt drei frühchristl. Phasen: 1. schlichter Memorialbau mit Apsis des 4. Jhs., von Prudentius besungen; 2. große Basilika, erbaut zwischen 429 und 530, deren Haupt den geschleiften Urbau umschloß; 3. in den 560ern Hinzufügung von Türmen wohl über der O-Partie, die teils noch heute aufgehend überdauert. Die Anlage reiht sich nun in den Kanon großer Pilgerheiligtümer ein; die Vereinbarung von Massengottesdienst und individuellem Reliquienzugang erreichte man offenbar durch zwei Seitentüren ins Kirchenhaupt, die ein völlig separates Herumführen der Pilger jenseits des Altars gestatteten, unter dem der angestammte locus der Eulalia lag. Méridas Bischöfe hatten eine eigene Grabkrypta unweit der Reliquien. Etwas abseits stand eine zweiflügelige Hospiz- und Hospitalanlage des späten 6. Jhs. mit axialem Kirchensaal.
Die Troas, im äußersten Westen der anatolischen Halbinsel gelegen, ist bis in unsere Zeit ein wichtiges strategisches Gebiet und hatte deshalb auch in der byzantinischen Zeit eine große Bedeutung. Die Troas kontrolliert den Hellespont, die Durchfahrt nach Konstantinopel und in das Schwarze Meer und besitzt in der Höhe von Çanakkale die engste Stelle zum Übersetzen nach Thrakien und Europa.
Prähistorische und klassische Stätte im südlichen Teil der Troas sind recht gut erforscht, in diesem Gebiet liegen die bekannten Grabungen Assos, Gülpinar, Alexandria Troas und Troia. In der Nordtroas findet dagegen erst seit zwei Jahren ein Survey statt, in dem auch byzantinische Hinterlassenschaften registriert werden (1), die die Verf. aufarbeitet.
Im Gegensatz zu anderen Gebieten sind in der Troas die meisten der byzantinischen Bauwerke nur schlecht erhalten oder gar oberirdisch nicht mehr sichtbar, so daß eine Siedlung oftmals nur an kleinen Mauerresten und der in diesen Bereichen aufgelesenen Keramik erkenntlich ist. Byzantinische Hinterlassenschaften sind u. a. an folgenden Orten zu beobachten: Pegai (Karabiga): ausgedehnte Burganlage (2), Oberflächenkeramik; Parion (Kemer): Spolienmauer, Wasserspeicher. Im antiken Stadtgebiet keine byzantinischen Überreste; Güreci: Spolien einer Kirche; Gürecialti: Mauerreste, Oberflächenkeramik; Tastepe: Mauern und Doppelsäulen wohl einer Kirche; Kalehisar: Befetigungsmauer mit runden und quadratischen Türmen einer Burg, Oberflächenkeramik; Çardak: Spolien aus einer Kirche; Özbek: Mauerreste einer Siedlung, Oberflächenkeramik; Atikhisar (Gavurkalesi): Burg mit Befestigungsmauer, Zisterne und Inneninstallationen, Oberflächenkeramik; Sapankalesi: Burg mit Vorburg über mehrere Terassen erstreckend, Oberflächenkeramik; Can: Keramik; Kepez: Siedlung und Hafen, Oberflächenkeramik; Elmaçik: Bauplastik einer Kirche; Sigeon: Rettungsgrabung des Museums einer Siedlung, Keramik, Kleinfunde; Ilion: Kirche, Siedlung, Friedhof, Keramik (3); Besiktepe: Siedlung, Keramik (4); Akköy: Spolien; Skepsis: Kirche, Keramik; Alexandria Troas: im antiken Stadtgebiet keine byzantinischen Hinterlassenschaften, Spolien im modernen Dorf, Keramik; Koçali: Spolien; Kizkalesi: Burg mit Befestigungsmauer, Zisterne und Häusern, Keramik; Gülpinar: Siedlung, Keramik (5); Assos: Basilika, Kirchen, Siedlung, Keramik.
(1) Siehe hierzu den ersten Vorbericht von N. Arslan, Çan ve Lapseki Ilçeleri Yüzey Arastirasi Ön Raporu, 21. Arastima Sonuçlari Toplantisi I (2004) 119-126. - (2) W. Müller-Wiener, Pegai-Karabiga, eine mittelalterliche Stadt, in: N. Basgelen - M. Lugal, Festschrift für Jale Inan (1989) 169-176 Taf. 71-76. - (3) J. W. Hayes, A Late Byzantine and Early Ottomane Assamblage from the Lower City in Troia, Studia Troica 5, 1995, 197-210. B. Böhlendorf, Das byzantinische Gräberfeld P1 in Troia, Studia Troica 8, 1998, 263-273. B. Böhlendorf-Arslan, Die glasierte byzantinische Keramik der Türkei (2004, im Druck). - (4) U. Peschlow, Zur Byzantinischen Keramik -Vorläufige Bemerkungen zu ausgewählten Stücken, AA 1984, 183-186. B. Böhlendorf, Die glasierte byzantinische Keramik des Besik-Tepe (Troas), Studia Troica 7 (1997) 363-444. B. Böhlendorf-Arslan, Die glasierte byzantinische Keramik der Türkei (2004, im Druck). - (5) F. Yenisehirlioglu, Apollo Smintheus Tapinaginda Çikan Orta Çag Sirli Anadolu Seramikleri, I. Arastirma Sunuçlari Toplantisi (1983) 175-183. Dies., La céramique glaçurée de Gülpinar, in: V. Déroche u. J.-M. Spieser, Recherches sur la céramique byzantine, BCH Supplément XVIII, (1989) 303-315. B. Böhlendorf-Arslan, Die glasierte byzantinische Keramik der Türkei (2004, im Druck).
(The full paper (ca. 37 pages) will be published by April, 2005, in the Acts of the Conference Concerning the History of Pre-industrial Construction Economics held in Prato from April 25 - 30, 2004, to be published in Prato, Italy, by the Istituto Datini for the Study of the History of Economics.)
Most of Church E at Sardis was constructed of marble and brick spolia found on or near the site. The spolia, the water, sand, clay and gravel from the nearby stream bed, and the timber from nearby forests were probably available at no cost, and were gathered and prepared by poorly paid unskilled or semi-skilled workmen. Thus most of the materials were inexpensive in procurement and preparation, although the church was probably commissioned by the highest levels of society. The regional building forms were apparently developed in part to be cost effective.
The only materials transported from afar were metal for nails and clamps, gold for tesserae and some pigments. A few products were probably manufactured by local Sardis craftsmen, proficient in creating standard items for houses and shops, but the tesserae were apparently produced by specialists from elsewhere, and gold leaf perhaps by the imperial treasury at Magnesia. Thus the construction of Church E contributed little to trade. While the local economy was enhanced by its construction, albeit to a limited extent, the project had only a minimal impact on the regional economy.
Work on Church E was performed by three independent teams: one constructed the church; one created the wall paintings and mosaics, and a third created the chancel barrier. All specialists were itinerant, but unskilled and semi-skilled workmen were apparently hired locally. The design of Church E was conceived by a sophisticated, well educated, creative person. The use of the quadratura to lay out the floor plan reflects the emphasis upon the study of mathematics during the Laskarid period by persons such as Theodore II Laskaris, Nicephorus Blemmydes and George Akropolites.
The construction materials and techniques of many 13th century Byzantine buildings were similar to those employed in Church E. However, differences did exist: construction traditions differed from region to region; differences of patronage may have been important; in some regions the acquisition of building material differed; in larger towns construction teams were not itinerant. It is therefore impossible to know to what extent the job site organization of Church E was typical of its period, and of other Byzantine periods, until additional studies have been produced concerning the job site organization of other Byzantine churches, other Byzantine building types, and the production and trade of Byzantine building products.
In Sinekkale, im Hinterland der Region von Seleukeia am Kalykadnos (heute Silifke), blieb einer der eindrucksvollsten spätantiken Profanbauten der kleinasiatischen Provinz Kilikia Tracheia erhalten. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Baubefund fand in der älteren Forschung trotz gelegentlicher Erwähnungen und der Publikation von Planskizzen bisher noch nicht statt, obwohl der zweigeschossig erhaltene Bau durch einen Eckturm, drei aufwendige Latrinen und zwei in Erd- und Obergeschoß übereinanderliegende Apsidenräume ein vielfältiges Repertoire an herausragenden repräsentativen Elementen aufweist. Bislang wurden Vorschläge für eine Deutung seiner Funktion als Kloster, Karawanserei oder villa rustica gemacht. Während eines Surveys im Jahr 2003 wurde der Bau eingehend untersucht, wobei auch der Kontext berücksichtigt und die in der älteren Forschung publizierten Grundrisse korrigiert wurden. Folgende Ergebnisse stützen sich auf diese Untersuchung: der Bau liegt abseits von anderen Siedlungen, war aber über eine antike Pflasterstraße sowohl mit anderen antiken Dorfsiedlungen des Hinterlandes als auch mit dem Marktort Korasion an der Küste verbunden. Überreste antiker Öl- oder Weinpressen und Feldbewässerungszisternen im Umkreis des Baues zeigen, daß die Einkünfte der Bewohner überwiegend aus der Landwirtschaft stammten. Die Lage an der antiken Straße und die Anzahl von drei Latrinen im Obergeschoß bieten die Möglichkeit, zusätzlich einen kleinen Herbergsbetrieb anzunehmen. Eine Interpretation als Kloster ist jedoch aus dem Vergleich mit anderen Grundrissen bekannter Klosteranlagen der Region auszuschließen. Die beiden Apsidenräume lassen sich am ehesten als Hauskapellen deuten, von denen diejenige des Erdgeschosses öffentlich zugänglich war, während diejenige im Obergeschoß dem Hausherrn und seiner Familie vorbehalten gewesen sein dürfte. Hauskapellen sind auch literarisch für einige spätantike Landgüter Kleinasiens belegt, die Anordnung von zwei Hauskapellen übereinander ist jedoch bislang singulär.
Reliquiare machen einen wesentlichen Bestand des Domschatzes aus, um die 50 blieben erhalten, auch einzelne Partikeln und Authentiken. Mittelalterliche Chroniken und Urkunden berichten über Reliquienimporte, Altarweihen, Heiltumsweisungen und Ablässe. Ein Katalogbuch als zusammenfassende Untersuchung zur Reliquienverehrung am Halberstädter Dom steht nun vor dem Abschluß. Der Vortrag informierte über die wichtigsten Überlieferungen, neue Erkenntnisse und statistische Daten zur Reliquiengeschichte des Domes und stellte die wichtigsten Reliquiare mit bislang unpublizierten Stücken und neuen Entdeckungen vor.
Bis zu einem großen Erwerb aus Rom im 10. Jh. spiegeln die Reliquien im Zuge der Sachsenmission zunächst vor allem die kirchenpolitischen Beziehungsgeflechte und liturgischen Netzwerke. Einschneidend wie andernorts ist dann die Rückkehr Bischof Konrads aus dem 4. Kreuzzug, der unzählige Reliquien importiert. Nun beginnen die Heiltumszuweisungen großen Stils am Dom und Ablässe zwecks Kulturpropaganda. Mehr als die Hälfte der überkommenen Reliquiare entstehen bis zur Mitte des 13. Jhs. oder werden in Verwendung genommen (z.B. die siculo-arabischen Kästchen oder ein byzantinisches Elfenbeindiptychon, aus dem zwei Reliquienbehältnisse gefertigt werden).
Wir kennen heute 176 Heilige mit Namen, deren Reliquien sich im Besitz des Domes befanden bzw. befinden, ca. 335-350 verschieden Reliquien. Etwa 75% zählen zu den frühchristlichen Märtyrern, die restlichen Namen benennen Christus, biblische Gestalten und - ca. 10% - historische Persönlichkeiten des Mittelalters. Herkunftsorte der Reliquien sind neben Rom und Konstantinopel vor allem westfränkische Bischofssitze, sächsische Nachbarbistümer, auch Köln, Prag und Mainz. Die Reliquiare des Domschatzes bieten einen Querschnitt durch alle Möglichkeiten von Gestaltung, Funktion, Material, Form und Herkunft - vom einfachen Kästchen bis zur opulenten Goldschmiedearbeit, von regionaler bis orientalischer Provenienz. Besonders vielfältig ist das Spektrum der Staurotheken (Hornkästchen, Burse, Tafelreliquiar, Reliquientuch etc.). Zu den unpublizierten Stücken gehören mehrere Arm- und Truhenreliquiare, ein Architekturreliquiar aus Holz wurde erst unlängst identifiziert.
Aus der zentralanatolischen Stadt Aizanoi und ihrem Umland sind gut 400 spätantike Steinmetzarbeiten bekannt. Anhand von Material und Bearbeitungsqualität lassen sich zwei Gruppen unterscheiden, lokale Produkte und Importe: Die lokalen Steinmetzarbeiten können mehreren Betrieben zugeordnet werden, die in verschiedenen Gegenden der Aizanitis den örtlich anstehenden Marmor unterschiedlich bearbeiteten. Die Importe zeichnen sich dagegen überall in der Aizanitis und darüber hinaus in Zentralanatolien durch übereinstimmend hohe Bearbeitungsqualität und ein eigenes Formenrepertoire aus. Das und ein immer gleich beschaffener Marmor, wie er sonst nicht vorkommt, erlaubt es, sie alle derselben zentralphrygischen Werkstatt von Dokimion zuzuweisen.
Der Marmorbruch von Dokimion ist zuvor vor allem für seine kaiserzeitliche Sarkophagproduktion bekannt gewesen, wurde aber offenbar auch in der Spätantike ausgebeutet. Die ihm neu zugeschriebenen Steinmetzarbeiten lassen jetzt erkennen, daß man dort eigene Formen des liturgischen Mobiliars hervorbrachte. Sie können sich durch einen besonderen Ritzdekor auszeichnen und scheinen, was die Bauweise von Kanzeln und Schrankenanlagen angeht, im zentralanatolischen Verbreitungsgebiet dokimischen Marmors auch die lokale Produktion vereinheitlichend beeinflußt zu haben. Jenseits der Hochebene sind dokimischer Marmor und die entsprechenden Formen liturgischen Mobiliars hingegen nicht üblich. An der Mittel- und Schwarzmeerküste importierte man in der Regel nicht auf dem Landweg aus Phrygien, sondern auf dem bequemeren Seeweg von den Marmorbrüchen auf Prokonnesos bei Konstantinopel.
Mittelbar war man allerdings auch dort von Dokimion beeinflußt, und zwar hinsichtlich der Akanthusblattformen, welche im 5./6. Jh. auf Prokonnesos massenweise aufgelegt und von dort auf dem Seeweg über das ganze Reich verbreitet wurden. Ihre Herkunft ist zuvor ein Rätsel gewesen, weil Bindeglieder zur älteren kaiserzeitlichen Tradition gefehlt haben. Nun dürften sie gefunden sein, denn die neu erschlossene dokimische Produktion des 4. Jhs. eignet sich zum Missing link zwischen den Blattformen der Kaiserzeit und denjenigen des 5./6. Jhs.
2003 konzentrierten wir uns besonders auf den hintersten erweiterten Bereich der Grotte und dort vor allem auf die Ostwand, wo fünf Putz- und wahrscheinlich vier Malschichten zutage kamen. Die jüngste (oberste) ist nur in der Ecke rechts oben erhalten und zeigt einen Kriegerheiligen mit Schild und Lanze sowie der Beischrift ? G???G??C. Von der zweitjüngsten Malschicht ist auch nur ein fruchttragender Baum mit fliegenden Blättern erhalten. Die dritte Schicht besteht aus überlebensgroßen nimbierten Figuren, deren Köpfe durchwegs ausgeschlagen sind. Sie setzt sich auch an der Stirn (Süd)wand fort. Dort sehen wir in der Mitte den bereits publizierten unbärtigen ?C ?C mit erhobener Rechter und Schriftrolle in der Linken auf einem Regenbogen in einer Aureole sitzen. Zu seiner Rechten steht eine leicht gedrehte nimbierte Gestalt mit Kodex, zur Linken eine weitere mit Kreuzstab. Davor befindet sich links eine kleinere männliche Figur (mit Tonsur?), die eine noch kleinere (vielleicht ein Kind) in langen Hosen und mit vorgestreckten Armen heranführt. Gegenüber (rechts) steht der Kopfbedeckung nach eine weibliche Gestalt, deren Gesicht wieder ausgeschlagen ist und deren Gewand auf die Westwand übergreift. Dort folgen drei weitere wieder überlebensgroße nimbierte Männer - zwei mit Kodex, einer mit Kreuzstab - alles in bester Qualität. Kehren wir zur Ostwand zurück, so lässt sich die vierte wohl als die älteste Malschicht bestimmen, da die noch darunter liegende fünfte (rosa) Schicht wahrscheinlich nur ein Unterputz ist. Auf ihr wurden bis jetzt keine Malereien gefunden. Umso interessanter ist die vierte Schicht. Sie zeigt in einem gelb gerahmten blauen Medaillon mit 46 cm Durchmesser den Oberkörper einer jugendlichen Gestalt, wohl auf einer Quadriga, von der nur noch ein Rad sowie zwei Pferde teilweise gut erhalten blieben. Im oberen Kreissegment sind noch zwei Füße eines Menschen erkennbar. Unter- und außerhalb des Kreises lesen wir in schwarzer Malinschrift F?C?? ??F??? ...? Eine einigermaßen zuverlässige Datierung all dieser Malereien ist derzeit mangels genauer Schichtzusammenhänge sowie noch nicht ausreichender Pigmentuntersuchungen unmöglich. Die älteste Malschicht mit der Quadriga ist wohl eine Himmelfahrt und mit der Inschrift als Paradiesesdarstellung vielleicht bereits aus dem 3. Jh. stammend. Der gleichen Thematik (Paradies) könnte man etwas später (vielleicht im 4. Jh.) den Baum mit den Früchten zuordnen. Ebenfalls noch vorikonoklastisch (aus dem 6. Jh. ?) dürfte der unbärtige Christus mit Aureole und den überlebensgroßen nimbierten Gestalten sein. Sicher byzantinisch (möglicherweise aus dem 12. bzw. 13. Jh.) ist die letzte (jüngste) Putzschicht mit dem Heiligen Georg.
Für die antike Stadt im Tauros oberhalb von Perge sind zwischen 381 und dem 12. Jh. Bischöfe u. mindestens 6 Kirchen belegt.
Zur ersten modernen Bereisung: G. MORETTI, Le rovine di Pednelissos: Annuario della R. Scuola Archeol. di Atene 3, 1921, 79–133. Aktuelle Forschungen im Rahmen des Pisidian Survey Project: L. VANDEPUT/V. KÖSE, Pisidien Survey Projekt: Erste Kampagne in Pednelissos: 20. Arastirma Sonuçlari Toplantisi 1, 27–31. 5. 2002 (Ankara 2003) 315–328. Zu den Kirchen: U. KARAS/S. RISTOW, Kirchenbauten in Pednelissos (Pisidien): Jahrb. für Ant. u. Christentum 46, 2003, 134–155.
Die Kirchen sind unter Verwendung antiker Bausubstanz u. Einzelspolien errichtet. Soweit feststellbar, ist nur Kirche 4 im Ortszentrum mit zum Teil neu angefertigtem Baudekor ausgestattet (6. Jh.). Bei den z. Zt. sichtbaren Kirchen 1–6 handelt es sich um dreischiffige Apsidenbauten mit glatten oder kannelierten Spoliensäulen u. röm. Säulenpostamenten. Die halbrunden Apsiden sind freistehend oder ummantelt, gelegentlich gibt es Apsisnebenräume u. Narthices. Kirche 1 auf der antiken Agora verwendet antike Bausubstanz weiter; ebenso der nebenliegende Apsidenbau "Kirche 2", der nur unsicher als christlicher Kultbau zu identifizieren ist. Kirche 3 bezog in ihrem nördlichen Apsisnebenraum eine (ältere?) Felsnische ein. Kirche 4 könnte nach Lage, Größe und Ausstattung die Bischofskirche von Pednelissos im 6. Jh. gewesen sein. An Kirche 5 wurde zu unbekannter Zeit im Norden ein Grabbau angebaut, in dem sich ein wohl oberirdisch aufgestellter wiederverwendeter antiker Sarkophag aus dem lokal anstehenden Kalkstein fand. Die Kirche entstand in direkter Nachbarschaft eines antiken Podiumtempels und dürfte der Heiligen- oder Martyrerverehrung gedient haben. Eine Ausgrabung von Kirche und Atrium könnte weitere Hinweise liefern. Kirche 6 ist unterhalb des bedeutenden Apollonheiligtums von Pednelissos im Areal einer größeren antiken Nekropole mit zum Teil massiven Grabbauten lokalisiert. Kirche 6 liefert Anhaltspunkte für das Aussehen der Basiliken von Pednelissos mit einfach profilierten Architraven und Kompositkapitellen, Narthex, ummantelter Apsis und Nebenräumen.
Für die Region typische mittel- oder spätbyz. reduzierte Kirchenanlagen können in Kirche 1 in Form eines einfachen Rechteckraums, in Kirche 5 und 6 in komplexerer Form, vielleicht mit Querbauten zu rekonstruieren, nachgewiesen werden. Zwei weitere Kirchen wurden durch die Expedition Morettis (s. o.) beschrieben, jedoch nicht näher lokalisiert u. können heute im Gelände nicht mehr aufgefunden werden.
Pednelissos zeigt das Bild einer nicht unbedeutenden hellenistisch-römischen Stadt, die in frühbyzantinischer Zeit, eingebunden in die Metropolitanstruktur von Perge u. Sillyon, durch ihre christliche Architektur in nennenswertem Umfang geprägt wurde. Nach Zerstörungen vor allem durch Erdbeben dürfte im 7. Jh., vor dem Hintergrund der zunehmend unsichereren Gesamtlage in der Region, das Vermögen zur Erneuerung oder dem Bau größerer Kirchen nicht mehr vorhanden gewesen sein. Die verkleinerten Einbauten zeigen jedoch an, dass die von der Notitiae episcopatuum überlieferte christliche Gemeinde von Pednelissos wohl bis in spätbyzantinische Zeit fortbestanden hat.
Eine Pilgerkirche in Hafennähe, ohne Klosteranlage und ohne städtische Siedlung - auch nach 20 Grabungskampagnen der Hebräischen Universität Jerusalem auf dem Tell Dor bleibt der historisch-archäologische Befund rätselhaft. Im späten 4. Jh. n. Chr. wird die hellenistisch-römische Stadt als "Dora nunc deserta" erwähnt, seit dem späten 5. Jh. bis in die Mitte des 7. Jh. ist sie Bischofssitz; dem archäologischen Befund zufolge endet die Besiedlung des Tells, der Oberstadt, im 3. Jh., während kurze Zeit später in der Unterstadt eine Pilgerkirche errichtet wird.
Die am südlichen Hafen gelegene Kirche, eine dreischiffige Basilika mit Heiligengrab, Golgotha-Reliquie sowie mehreren Anbauten, wurde in der ersten Hälfte des 4. Jhs. errichtet. Auf dem Tell konnten keinerlei Gebäudereste aus byzantinischer Zeit nachgewiesen werden, die öffentlichen Gebäude wie Tempel und Theater wurden unter Septimius Severus errichtet, die autonome Münzprägung geht nicht über Julia Domna hinaus. Der Vorschlag eines spätrömischen-byzantinischen Militärstützpunktes ergibt sich aus der Tatsache, dass Dora als Thora auf der Tabula Peutingeriana angegeben ist; die Einheit könnte den für den regionalen Handel wichtigen Hafen kontrolliert haben, der seit dem 4. Jh. von Pilgern als Zugang nach Galiläa genutzt wird.
Bei der von Claudine Dauphin und Shimon Gibson vorgelegten Rekonstruktion der Unterstadt wird die Kirche in vorhandene städtebauliche Elemente, Straßennetz und Mauerzug, eingebunden. Der Verlauf des Cardo maximus orientiert sich zum einen an der Via maris, zum anderen an der Ausrichtung des Straßennetzes der Oberstadt; beide wurden bereits im 5. Jh. v. Chr. festgelegt. Nachvollziehbar wird diese Rekonstruktion mit der bislang hypothetischen Besiedlung des Tells in byzantinischer Zeit. Dafür spechen neben topographischen Faktoren auch klimatische.
Lit.: C. Dauphin, S. Gibson, The Byzantine City of Dor/Dora Discovered. Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society 1994-95, Vol. 14, 9-38. Der ausführliche Artikel wird in Eretz-Israel, Festschrift Ephraim Stern, erscheinen.
Der Lichteindruck im Innenraum der Hagia Sophia in Konstantinopel wurde in Beschreibungen der Kirche seit jeher als außergewöhnlich erkannt. Dennoch existieren bisher keine detaillierten wissenschaftlichen Untersuchungen zum Licht der Hagia Sophia oder byzantinischer Kunst und Architektur im Allgemeinen. Licht ist ein flüchtiges Phänomen und unterliegt einer Vielzahl von Parametern. Entsprechend vielschichtig gestaltet sich die Erforschung von Licht in seinen künstlerischen Manifestationen.
In meinem Vortrag untersuche ich den Einsatz von Licht in der Hagia Sophia in Konstantinopel anhand von Aspekten ihrer Architektur und Innenraumdekoration. Ziel dieser Forschung ist es aufzuzeigen, inwiefern Licht tatsächlich als ein die Architektur konstituierendes Baumaterial verwendet wurde.
Die Orientierung der Kirche im Zusammenspiel mit deren Durchfensterung bestimmt, wie und wann Tageslicht in das Gebäude einfällt. Innerhalb des Kirchengebäudes lässt sich die Verteilung des Lichts mittels Lichtmessungen feststellen, die Rückschlüsse auf die Wertigkeit verschiedener Raumteile zulassen könnte. Außerdem haben die optischen Eigenschaften der Marmorinkrustation und Mosaikdekoration einen wesentlichen Einfluss auf die subjektiv empfundene Helligkeit des Innenraumes.
Anhand dieser drei Ansätze kann gezeigt werden, dass Licht auffallend bedeutsam für den Raumeindruck der Hagia Sophia ist. Dies lässt vermuten, dass Licht bewusst in der Planung der Kirche berücksichtigt wurde und Licht damit als konstitutives und ästhetisches Element der Hagia Sophia in Konstantinopel verstanden werden kann.
Entgegen Segall u.a. hat der byzantinische Schmuck nicht als einheitlich zu gelten: Ägyptische und nahöstliche Goldschmiedearbeiten verwenden nämlich jeweils Techniken, Formen und Motive, die sich von denen Konstantinopels mit Umgebung unterscheiden. Während die Goldschmiedekunst Ägyptens zum großen Teil in der Tradition Altägyptens und der ägyptischen Kaiserzeit steht, nimmt die nahöstliche erst sasanidische und später arabische Einflüsse auf. Innerhalb der Goldschmiedekunst spielt Konstantinopel um 600 nicht die Rolle des universellen Trendsetters. Vielmehr öffnen sich auch Werkstätten in Konstantinopel fremden, vorzugsweise sasanidischen Einflüssen.
Was jedoch die Einflüsse auf die westlichen und nördlichen Nachbarkulturen, beispielsweise der Langobarden oder Awaren, angeht, so gingen sie wohl immer von Konstantinopel mit Umgebung aus. Jenseits der West- und Nord Grenzen des byzantinischen Reichs scheint die Mode also weniger international als konstantinopolitanisch gewesen zu sein.
Aus vorkonstantinischer Zeit sind keine christlichen Symbole, die sichtbar angebracht wären, nachgewiesen. Ausgangspunkt ist das wohl mißverstandene Zeichen gewesen, mit dem Konstantin 312 den Sieg an der Milvischen Brücke errungen hat. Nach Laktanz war dies eine Ligatur aus Tau und Rho (sg. Staurogramm), die als Mittelteil des gekürzten Nomen sacrum "Stauros" (Kreuz) geläufig war. Schon Laktanz hat dieses Zeichen in eine Ligatur aus Chi und Rho, d. h, zu einem Kürzel für Christus umgedeutet. Das Zeichen, das in seiner Deutung eine Entwicklung durchgemacht hat, weist ein Weiterleben in verschiedener Form (Staurogramm, Christogramm, Kreuz, etc.) auf. Die fast magische Anwendung in der Anbringung auf den Waffen der Soldaten zur Beschwörung des Christengottes reiht den Gebrauch solcher Zeichen in die Reihe anderer Erscheinungen ein, die in Form dinglich gebundener Heiligkeit ähnlichen Charakter tragen und mit Konstantin in der Kirche Einzug halten. Es handelt sich um die architektonische Ausgestaltung von Orten der Heils- und Kirchengeschichte, die dadurch zu heiligen Orten werden (Hl. Grab in Jerusalem, Bethlehem, St. Peter in Rom etc.), und um eine Art der Reliquienverehrung, die über Formen des spätantiken Totenkultes (mit Schätzung der sterblichen Überreste) hinausgeht. Als Reliquie dieser Art ragt das von Helena gefundene Kreuz hervor, von dem Teile nach Rom übertragen wurden (S. Croce in Gerusalemme).
Zu Weiterem s. H. G. Thümmel, Die Wende Constantins und die Denkmäler, in: Die Konstantinische Wende. Hrsg. v. E. Mühlenberg, Gütersloh 1998, S. 144-185.
Im Parekklesion der Panagia-Kirche in Spina (Nomos Chania, Kreta) befindet sich ein bisher unbekannter Zyklus aus der Kreuzauffindungslegende, der aus zwei Szenen besteht: Die erste Szene zeigt die Befragung des Judas-Kyriakos durch die Kaiserin Helena, in der zweiten Szene ist die Auffindung des Heiligen Kreuzes dargestellt. Die Darstellungen basieren auf der Kyriakoslegende. Die Fresken des Parekklesions lassen sich in die zweite Hälfte des 14. Jhs. datieren. Des weiteren enthält der Konstantin - Zyklus in der Kirche der Hl. Konstantin und Helena in Avdou (Nomos Herakleion, Kreta, datiert 1445) eine bisher unidentifizierte Szene, die mit ziemlicher Sicherheit die Kreuzauffindung zum Thema hatte. Die Bedeutung der kretischen Kreuzauffindungsszenen in Spina und Avdou liegt darin, dass sie weiteres Bildmaterial zur Darstellung der Kreuzauffindungslegende in Byzanz liefern. Sie füllen die Lücke zwischen dem bisher einzigen bekannten Beispiel des Par. gr. 510 (fol. 440r) und der postbyzantinischen Darstellungen des Themas auf Zypern.
[erscheint in: BZ 1/2004]
Der spätrömische Kölner Konchenovalbau (seit dem frühen Mittelalter St. Gereon) ist eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der Spätantike in den Nordwestprovinzen. Verbunden mit einem im Westen vorgelagerten Atrium errichtete man dieses solitäre Bauensemble im nordwestlichen Vorfeld der Colonia Agrippina südlich einer Überlandstraße auf dem Gelände einer zuvor in mehreren Phasen intensiv belegten Nekropole.
Die vollständige Auswertung aller Befunde von Ausgrabungen und Bauforschungen im Bereich von St. Gereon erbrachte Neues zu Bauentwurf, Planung und Bauablauf sowie zur Innenraumgestaltung dieses außergewöhnlichen Bauensembles und konnte zahlreiche ältere Forschungsergebnisse präzisieren.
So läßt sich nun die Bauform des Hauptraums als überkuppelter Obergadenrundbau mit über beide Geschosse reichender Zentralkonche im Osten und einem umlaufenden Außenlaufsteg bestimmen. Auch ist der Baubeginn von Ovalbau und Atrium - errichtet in zwei Bauabschnitten - auf den Beginn der zweiten Hälfte des 4. Jhs., etwa zwischen 350 und 365, einzugrenzen.
Bereits kurz nach Baubeginn wurde im Atriumsumgang bestattet, wohingegen sich im Inneren des Ovalbaus - möglicherweise aufgrund umfassender mittelalterlicher Störungen der Stratigraphie - erst für das Frühe Mittelalter eine Bestattungstätigkeit nachweisen ließ.
Hinsichtlich der ehemaligen Nutzung des Bauwerks wird vorgeschlagen, dass die Bauform des Konchengebäudes vom Aussehen spätantiker Repräsentationsarchitektur beeinflusst wurde, insbesondere von damaligen Bankettsälen, und dass diese formale Übernahme ihre Ursache eventuell in einer Funktionsähnlichkeit als Ort der Grabbankette zum Totengedächtnis hatte. Die Kombination eines zentralisierenden Baukörpers mit einem vorgelagerten Atrium in einem solitären Baukomplex ist relativ selten (z. B. Mailänder Tetrakonchos (San Lorenzo), Mausoleum bei Iovia/Pannonien) und bei Bauten angewandt worden, die sich religionshistorisch einem christlichen Kontext zuordnen lassen. Daher ist es möglich, dass auch der Kölner Bau spätestens bei Errichtung des Atriums mit einer christlichen Nutzung verbunden war. Was dies in einer Zeit religiösen Umbruchs wie in der Mitte des 4. Jhs. allerdings bedeutete, als pagane und christliche Autoritäten mehrfach wechselten oder koexistierten, kann aus der vorliegenden archäologischen Situation nicht geschlossen werden. Die Ergebnisse der Auswertungen befinden sich als Band 9 der Reihe "Kölner Forschungen" im Druck.
Aus Gründen der Forschungsgeschichte stand die Katakombenmalerei früher zumeist als Äußerung einer kirchlichen, theologischen Kunst im Brennpunkt einer Fragestellung, auf die sie als private Kunst nur bedingt Antworten geben konnte. Zugleich mit ihrem privaten Charakter geriet aus dem Bewußtsein, wie zahlreich die Darstellungen Verstorbener in der Katakombenmalerei sind. Ihnen kommt aber nicht nur statistisch ein größerer Stellenwert zu. Vielmehr sind sie ein Hauptthema der Katakombenmalerei, und es ist eines der wichtigen Anliegen dieser Grabkunst, konkret eine Verbindung zu schaffen zwischen dem Bild des Verstorbenen und den Heilsszenen. Dabei wird oft bewußt die Grenze zwischen Rettungsbildern und Verstorbenenbildnis aufgehoben, um die Erfüllung des Heilswunsches vorwegzunehmen und den Verstorbenen in den erhofften Heilszustand hineinzuprojezieren.
Die Verstorbenendarstellungen wurden unter drei Aspekten betrachtet, nämlich chronologisch, nach dem Anbringungsort im Grabraum und systematisch mit Beispielen aller Varianten. Es ergaben sich fünf Untergruppen: Die größte und wichtigste Gruppe sind die Orantendarstellungen. Die zweite Gruppe bilden Berufsbilder, die dritte Porträtclipei. Die vierte Gruppe sind Mahldarstellungen. Die fünfte und vielleicht interessanteste Gruppe bilden solche Darstellungen, die direkt mit den christlichen Szenen verschmelzen.
Auch wenn die absolute Anzahl der Darstellungen noch zu erheben ist, kann bereits festgehalten werden, daß die Darstellung Verstorbener das häufigste Thema der Katakombenmalerei ist. Jedoch ist keine konkrete Darstellung zweimal identisch zu finden, es handelt sich in jedem Fall um Unikate, die auf den Dialog zwischen Auftraggeber und Handwerker/Künstler rückschließen lassen. Eine feste Regel für die Abbildung gibt es nicht, die Nähe zu den christlichen Szenen ist z.T. mit großer Phantasie gesucht. Sogar die traditionelle Identifizierung mit den mythischen, in diesem Fall biblischen Gestalten, ist häufiger als erwartet anzutreffen.
Das Anliegen der Bilder liegt auf der Hand: Die Dargestellten möchten sich selbst in Szene setzen, und sie möchten sich selbst in die Szenen hineinversetzen. Aus diesem Blickwinkel bekommt das Verstorbenenporträt in der Katakombenmalerei ein neues Gewicht.