Studienkurs Venedig 2019: Über die Flucht – Geschichte und Ästhetik eines Traum(a)s am Beispiel Venedigs

Das Deutsche Studienzentrum in Venedig veranstaltet vom 22. bis 30. September 2019 (An- und Abreisetag) einen interdisziplinären Studienkurs. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei PD Dr. Marita Liebermann (Romanistik, Direktorin DSZV) und Dr. Dominik Brabant (Kunstgeschichte, Eichstätt).
Der Einsendeschluss für die Bewerbung ist der 15. Mai 2019. Eine Benachrichtigung der TeilnehmerInnen erfolgt per Email bis Ende Juni 2019.

Der Studienkurs perspektiviert die Lagunenstadt als ein Gebilde aus vielartigen Fluchtbewegungen: An ausgesuchten Beispielen von physisch-realen und mythisch-fiktiven sowie metaphorischen Formen der Flucht von Einzelnen oder von Kollektiven werden zentrale Momente der venezianischen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, venezianische Kunst und an Venedig geknüpfte Imaginarien untersucht, die ein Spektrum von den Ursprungsmythen bis zu den modernen und aktuellen Untergangstopoi umfassen. Indem die Veranstaltung so in den Blick nimmt, auf welche Weise allgemein christliche wie auch die Stadt spezifisch charakterisierende Erzählungen und Wirklichkeiten auf dem Fluchtmotiv basieren, wird ein Anstoß zur Reflexion über Kulturzusammenhänge gegeben, die gemeinhin als selbstverständlich gelten. In diesem Sinne umfasst die Neubetrachtung auch punktuell mit zu berücksichtigende Migrationsdiskurse von heute, in denen Flucht oft als Stigma erscheint. Die Problematik der globalisierten Welt, wie sie die medialen und politischen Debatten vermitteln, werden einleitend und wo möglich vergleichend zu historischen Aspekten und künstlerisch-literarischen sowie philosophischen Rezeptionsformen des Motivs betrachtet. In Ergänzung zu den detaillierteren Einzelanalysen wird auf diese Weise ein Überblick über die ebenso elementaren wie mannigfaltigen Bedeutungen erarbeitet, die der Flucht als in vielerlei Hinsicht konfliktärer Mobilität in der Menschheitsgeschichte zukommen.

Die Verbindung von dezidiert aktuellen Fragestellungen mit zentralen Themen der Venedigforschung wird durch Exkursionen und Besichtigungen abgerundet, die u.a. die Insel Torcello, die Markus-Basilika, die Biblioteca Nazionale Marciana, den Dogenpalast, das Staatsarchiv, einen Lido-Spaziergang und eine Lagunenrundfahrt umfassen.
Mit der Teilnahme ist die Vorbereitung eines Referats (ca. 20-30 Minuten) aus dem Themenumfeld des Studienkurses verknüpft. Die Formulierung der Referatsthemen erfolgt in Absprache mit den Dozierenden, die auch hinsichtlich der relevanten Forschungsliteratur Hilfestellung leisten. Der Kurs findet in deutscher Sprache statt, die Teilnehmenden sollten jedoch Italienischkenntnisse besitzen, die die Lektüre italienischer Texte ermöglichen. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Diskussion der behandelten Inhalte.

Referatsthemen können aus folgenden Gegenstandsbereichen gewählt werden: 

PHILOSHOPHIE:
A. Zur Massenflucht heute – Probleme und Konzepte einer Philosophie der Migration
• ‚Eine neue Gattung von Menschen‘ – Zum Bild der Geflüchteten in Hannah Arendts We Refugees (1943, dt. 1983)
• Hannah Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1955, engl. Erstpublikation 1951) und die Rechte der Staatenlosen
• Donatella di Cesare: Eine Philosophie des ‚Coabitare‘

MYTHOS UND GESCHICHTE:
B. Geschichte(n) der Ursprünge Venedigs
• Ursprungs- und Fluchtmythen: Die ersten Venezianer – ‚Cives Romani‘ oder Flüchtlinge aus Troja?
• Flucht auf die Inseln während der Völkerwanderungszeit: Altino/Torcello, Aquileia/Grado, Concordia/Caorle
• Präventive Flucht über die Inseln und die urbanistische Erschließung der Inseln und Sümpfe

BILDENDE KUNST IM SAKRALEN KONTEXT:
C. Heiliger Raub oder notwendige Flucht? Die Translatio der Markusreliquien aus Alexandria nach Venedig
• Die Markuslegende in San Marco (Mosaikzyklus, Pala d’Oro, Porta Sant’Alipio)
• Die Markuslegende in den Gemälden Jacopo Tintorettos

D. Biblische Flucht in der venezianischen Malerei
• Jacopo Palma il Giovanes Auszug der Israeliten aus Ägypten
• Jacopo Tintorettos Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten
• Gaspare Dizianis und Giovanni Battista Tiepolos Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten

ARCHITEKTUR UND STADTKULTUR:
E. Kollektivansiedlung von Geflüchteten in Venedig
• Das venezianische Ghetto und die Juden in Venedig
• San Lazzaro degli Armeni: Geschichte der Armenier in Venedig
• Mehmet II, die Eroberung des Balkans und die Ansiedlung der Albaner in Venedig
F. Individuelle Geflüchtete
• Bessarion und die Rettung der materiellen und schriftlichen Kultur aus Byzanz
• Jacopo Sansovino und die architektonische ‚Hybridisierung‘ des Markusplatzes
• Pietro Aretino und der venezianische ‘Vielschreiber‘-Zirkel: Themen und Kommunikations-formen

LITERATUR UND FILM:
G. Flucht aus/nach Venedig für ein ‚neues Leben‘: von Casanova bis Aschenbach
• Die Flucht aus den Bleikammern in Casanovas Erzählung (Histoire de ma vie, Histoire de ma fuite)
• Zum Fluchtmotiv in Arthur Schnitzlers Novelle Casanovas Heimfahrt
• Der flüchtende Casanova in Giorgio Manganellis Interviste Impossibili
• Über die Grenzen: Venedig in Hugo von Hofmannsthals Andreas
• Selbstflucht und -verlust in Thomas Manns Tod in Venedig
• Luchino Viscontis Tod in Venedig

BILDENDE KUNST IM PROFANEN KONTEXT:
H. Flucht aus der Gegenwart? Venedig-Veduten zwischen nostalgischem Eskapismus und modernem Tourismus
• Romantische und ästhetizistische Venedig-Bilder: William Turner und James McNeill Whistler
• Der Moderne entfliehen? Modernistische Venedig-Veduten von John Singer-Sargent, Edouard Manet, Paul Signac und Claude Monet
I. Flucht und Migration im gegenwärtigen Kunstbetrieb: Kuratorische Konzepte der jüngsten Biennalen und ihre Rezeption
•  „All the World’s Futures“ (56. Biennale), kuratiert von Okwui Enwezor, 2015
•  „Viva Arte Viva“ (57. Biennale), kuratiert von Christine Macel, 2017
• „May you live in interesting times” (58. Biennale), kuratiert von Ralph Rugoff, 2019

Ausblick: TOURISMUS UND MASSENFLUCHT DER EINWOHNER AUS VENEDIG:
J. Venedig im aktuellen kulturkritischen Diskurs
• Stirbt Venedig? Von Salvatore Settis bis Angela Vettese
• Exodus der Venezianer in der (inter)nationalen Presse

PRAKTISCHE HINWEISE
Am Studienkurs können fünfzehn Studierende und DoktorandInnen aus den Fächern der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften bzw. den kulturwissenschaftlichen Nachbardisziplinen (z.B. Interkulturelle Studien) und der Philosophie teilnehmen. Voraussetzungen sind eine bestandene Zwischenprüfung in einem Magister- oder Staatsexamensstudiengang oder ein bestandenes Bachelor-Examen. Italienischkenntnisse sollten vorhanden sein.

Für die Teilnahme am Studienkurs sind folgende Bewerbungsunterlagen erforderlich:
Lebenslauf, Studiennachweis, eine Hausarbeit eigener Wahl von 10 bis max. 30 Seiten, gegebenenfalls auch eine aussagekräftige Zusammenfassung des Master- oder Promotionsprojekts und ein kurzes Empfehlungsschreiben eines Hochschullehrers.
Die Unterlagen schicken Sie bitte in einer zusammenhängenden PDF-Datei an die Koordinatorin dott.ssa Michaela Böhringer (m.boehringer(at)dszv.it). Einsendeschluss für Ihre Bewerbung ist der 15. Mai 2019. Eine Benachrichtigung der TeilnehmerInnen erfolgt per Email bis Ende Juni.
Für Kosten und Buchung in einfachen Unterkünften für acht Nächte kommt das Studienzentrum auf. An- und Abreise sind dagegen selbst zu organisieren und zu finanzieren. (Wir empfehlen Ihnen, sich über eventuelle Unterstützungsformen Ihrer Universität zu informieren.)

Alle weiteren Details HIER!

AGCA Förderung

Ausschreibung zur Förderung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten zur Christlichen Archäologie durch die AGCA

Die Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie zur Erforschung spätantiker, frühmittelalterlicher und byzantinischer Kultur (AGCA) schreibt für das Jahr 2019 Fördermittel in Höhe von

2.000 Euro

zur Unterstützung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten zu Arbeitsgebieten der AGCA aus.

Die Mittel dienen der Förderung und Unterstützung von wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten (Masterarbeiten, Dissertationen) im Bereich der frühchristlichen, frühmittelalterlichen und Byzantinischen Archäologie. Sie sollen bevorzugt Mitgliedern der AGCA gewährt werden und vorzugsweise Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern zugutekommen. Bachelorarbeiten sind von der Förderung ausgeschlossen. Unterstützt werden können beispielsweise Reisekosten für Befundaufnahmen, Bibliotheks- oder Archivrecherchen.

Anträge auf Zuweisung der Fördermittel können bis zum 30. April 2019 eingereicht werden. Sie sind an die Erste Vorsitzende der AGCA zu richten (Anschrift siehe unten).

Über die Anträge entscheidet der Vorstand der AGCA im Mai 2019. Dementsprechend können Fördermaßnahmen frühestens im Juni 2019 beginnen. Sollte der Vorstand der AGCA mehrere Anträge bewilligen, so wird die maximal zur Verfügung stehende Summe von 2.000 Euro auf mehrere Projekte verteilt.

Folgende Einzelheiten gelten für die Ausschreibung:

Ausschreibung und Entscheidung zur Bewilligung erfolgen vorbehaltlich der finanziellen Situation der AGCA. Der Gerichtsweg ist ausgeschlossen. Wenn die Antragstellenden zu dem gleichen Projekt an anderer Stelle Fördermittel beantragen oder erhalten, ist dies der AGCA bei der Antragstellung mitzuteilen.

Nach Abschluss der geförderten Maßnahme sind der Schatzmeisterin der AGCA ein Kurzbericht über die geleistete Arbeit und eine Abrechnung zuzusenden.

Fördermittel müssen innerhalb eines Jahres nach der Bewilligung abgerufen und bis spätestens zwei Jahre nach Abruf (mit den entsprechenden Belegen und Rechnungen) abgerechnet werden. Im Fall der Fristüberschreitung beim Abruf hat der Vorstand die Möglichkeit, die Bewilligung zurückzunehmen. Im Fall der Fristüberschreitung bei der Abrechnung hat der Vorstand die Möglichkeit, die Gelder zurückzufordern.

Schriftliche Anträge auf Zuweisung der Fördermittel des Jahres 2019 sind mit einer genauen Beschreibung des Vorhabens, Angaben zur Person des/der Antragstellenden sowie einer Aufstellung der veranschlagten bzw. beantragten Kosten in einem Umfang von maximal 10 DIN-A4-Seiten postalisch in einfacher Ausfertigung und elektronisch als PDF-Attachment bis zum 30. April 2019 an die Erste Vorsitzenden der AGCA zu richten. Dem Antrag ist ein Unterstützungsschreiben eines/r Betreuenden der Qualifikationsarbeit anzufügen, das der Ersten Vorsitzenden auch separat zugesandt werden kann. Es zählen der Poststempel und das Eingangsdatum der E-Mail.

Anträge richten Sie bitte an: Prof. Dr. Ute Verstegen, LS Christliche Archäologie, FAU Erlangen-Nürnberg, Kochstr. 6, 91054 Erlangen; eMail: ute.verstegen(at)fau.de

Call for Papers – IMC Leeds 2019

International Medieval Congress
1. bis 4. Juli 2019 an der University of Leeds

CALL FOR PAPERS für die Sektion „Apocryphal Iconography: Integration, Adaptation, and Church Tradition“

Deadline: 15. Sept. 2018

The proposed session is devoted to the integration and adaptation of apocryphal sources in the construction of medieval iconographies with the aim of bringing into attention this generally neglected and underrepresented field. Research in this field concentrates mostly on the textual tradition and transmission of apocryphal texts, yet certain aspects still need to be addressed, such as:
The construction and function of apocryphal iconographies; The context of sources for artists due to lack of information on holy lives; Apocryphal visual representations and church tradition; Original work and research is welcomed starting from the Late Antiquity to Late Middle Ages, both in the East and West. The session refers to the concept of ‚apochrypha/on‘ as movable texts whose composition does not end in the 4th-5th centuries in the context of the establishment and closing of the canon. This permits to address issues concerning the evolution, transmission, adoptation, and adaptation of sources.

This session also aims to bring its intellectual outcomes into the attention of the general public by publishing, contextually, the proceedings of the debates in the series „Picturing the Middle Ages and Early Modernity“ at Trivent Publishing, Budapest, Hungary.

Please submit a working title and a 250-word proposal for a 15-20 minute paper presentation by September 15th, 2018, at the latest.

Contact information:
Andrea-Bianka Znorovszky, Ca’Foscari University, Venice, Italy (andrea.znorovszky(at)unive.it)
Teodora C. Artimon, Trivent Publishing, Budapest, Hungary (teodora.artimon(at)trivent-publishing.eu)

Informationen zum IMC hier!

Ge-Schichten-Buch Neapel

Das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom, die Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, und das Deutsche Historische Institut in Rom bieten vom 1. bis 7.4.2019 einen Studienkurs an. Der Intensivkurs unter der Leitung von Wissenschaftler/-innen der beteiligten Institute richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Klassischen und Christlichen Archäologie, der historischen Bauforschung und Kunstgeschichte sowie der Geschichtswissenschaften vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte.

Bewerbungsschluss ist der 16.09.2018.

Alle Details HIER!

Call for Sessions – Forum Kunst des Mittelalters

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CALL FOR SESSIONS

5. Forum Kunst des Mittelalters
Peaks, Ponti & Passages
Bern, 18. bis 21. September 2019                                                                                       

In Bern – mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, als Passage zur Westschweiz und mit einer langen Tradition im Brückenbau – wird das fünfte Forum Kunst des Mittelalters die Schnittstellen, Transfer-, Entanglement- und Überlagerungsprozesse selbst ins Zentrum stellen. Es thematisiert die Formen und Wege des Austauschs, die Infrastruktur, die Verbindungen der politischen und religiösen Kontexte, die konkreten Reflexionen dieser Beziehungen in den Objekten und die methodische Herausforderung, die Geschichte von Begegnungen von Künstlern, Werken, Materialien und Traditionen zu schreiben.

Viele Gebirgsregionen, und insbesondere der Alpenraum, haben als Transfer- und Überlagerungsraum eine lange Geschichte. Zugleich sind Berge und Gletscher in der Gegenwart Orte, an denen die Folgen von Klimaveränderungen besonders rasch sichtbar werden. Sie sensibilisieren daher auch für ähnliche Veränderungsphänomene vergangener Zeitschichten. Bergregionen waren und sind durchzogen von verschiedenen Netzwerken, in denen herausfordernde Passagen, oft mit Pässen und Brücken, Städte, Regionen, Länder, und damit verschiedene Kulturen, Sprachen und ihre künstlerischen Traditionen verbanden. Sie strukturierten die Wege, über die Materialien, Menschen, Regionen miteinander im Austausch standen. Brücken waren strategische Ziele in der Kriegsführung, Zeugnis angewendeten Wissens, Ausdruck städtischer Repräsentation, Zollstellen, und Tore zur Welt.

Gipfel markieren in der Kunsthistoriographie Momente des Umbruchs einer längeren Entwicklung, Höhepunkte in künstlerischen Karrieren und zentrale Momente in der Begegnung von verschiedenen Traditionen. Seit dem unvollendetem Projekt Walter Benjamins, der in Bern promoviert wurde, ist die Passage auch als Figur der Geschichtsschreibung eingeführt, die historische Schichten von Räumen als Konstellation begreift, an der sich Kunstwerke, Alltagskultur, religiöse Vorstellungen, Definitionen von Epochen und Geschichtstheorie begegnen.

Das Veranstaltungsteam freut sich über jeden viel versprechenden Vorschlag zur Ausrichtung einer Sektion. Dieser Aufruf richtet sich sowohl an einzelne WissenschafterInnen als auch an Institutionen und Vereine, denen in Bern eine Plattform geboten werden soll, sich zu präsentieren.
Ihre Vorschläge richten Sie bitte bis spätestens 01. Juni 2018 an die unten stehend E-Mail-Adresse. Kontakt: mail@mittelalterkongress.de. Weitere Informationen im Internet: www.mittelalterkongress.de“